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Werksgelände der Lenzing AG. (Fotos: Lenzing AG/Kirchgatterer)

Lenzing Gruppe verzeichnet für 2019 trotz schwierigem Marktumfeld solide Geschäftsentwicklung

12. März 2020 | 08:39 Autor: APA-OTS Startseite, Oberösterreich

Lenzing (A) Trotz einer allgemein schwierigeren Nachfragesituation bei Textilfasern und drastisch gefallener Preise für Standardviscose verzeichnete die Lenzing Gruppe auch 2019 eine solide Geschäftsentwicklung. Die disziplinierte Umsetzung der Unternehmensstrategie sCore TEN und der Fokus auf Spezialitäten wirkten sich erneut positiv auf die Umsatz- und Ergebnisentwicklung aus und der Effekt der historisch schwierigen Marktbedingungen konnte deutlich gemindert werden.

Die Umsatzerlöse verringerten sich im Berichtsjahr von EUR 2,18 Mrd. um 3,3 Prozent auf EUR 2,11 Mrd. Die Ursachen dafür lagen primär in den niedrigeren Faserverkaufspreisen und in einem leichten Rückgang der Absatzmenge für Standardfasern. Durch die weitere Optimierung des Produktmix und höhere Preise für Spezialfasern konnte der Rückgang der Umsatzerlöse weitgehend kompensiert werden. Der Anteil der Spezialfasern stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 45,5 auf 51,6 Prozent. Die Ergebnisentwicklung war weitgehend vom Rückgang der Umsatzerlöse, aber auch von negativen Währungseffekten auf Material- und Personalkosten beeinflusst: Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) verringerte sich von EUR 382 Mio. um 14,4 Prozent auf EUR 326,9 Mio. Die EBITDA-Marge ging von 17,6 Prozent auf 15,5 Prozent zurück. Der Jahresüberschuss lag mit EUR 114,9 Mio. um 22,4 Prozent unter dem Vorjahreswert von EUR 148,2 Mio. Das Ergebnis je Aktie belief sich auf EUR 4,63 (2018: EUR 5,61).

Der Vorstand der Lenzing Gruppe schlägt der 76. ordentlichen Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2019 die Zahlung einer Dividende von EUR 1,00 je Aktie vor (2018: Dividende von EUR 3,00 sowie Sonderdividende von EUR 2,00 je Aktie). Der Aufsichtsrat billigte diesen Vorschlag in seiner bilanzfeststellenden Sitzung am 11. März 2020. Die Gesamtausschüttung beträgt - vorbehaltlich der Genehmigung der Aktionäre - EUR ca. 26,6 Mio.

"Lenzing und die gesamte textile Wertschöpfungskette agierten 2019 in einem historisch schwierigen Marktumfeld, welches unsere Umsatzentwicklung und Ertragslage beeinträchtigt hat. Der Fokus auf Spezialfasern hat im Berichtsjahr positiv zur Resilienz des Unternehmens beigetragen, und wir sehen uns mit unserer Unternehmensstrategie sehr gut positioniert. Unsere Ziele für das Jahr 2024 unterstreichen diese Zuversicht", sagt Stefan Doboczky, Vorstandsvorsitzender der Lenzing Gruppe. "Die Umsetzung der Schlüsselprojekte in Thailand und Brasilien spielt eine zentrale Rolle in der weiteren Stärkung unserer Marktposition und bei der Erreichung unserer ambitionierten Klimaziele. Wir sind mit dem Fortschritt beider Projekte sehr zufrieden", so Doboczky.

Die Investitionen in immaterielle Anlagen und Sachanlagen (CAPEX) beliefen sich im Berichtszeitraum auf EUR 244 Mio. Diese spiegelten die Investitionstätigkeit der Lenzing Gruppe zur Stärkung der Eigenversorgung mit Faserzellstoff und Erhöhung des Spezialitätenanteils im Sinne der Unternehmensstrategie sCore TEN wider. Die Großprojekte in Brasilien und Thailand werden ab 2020 einen größeren Einfluss auf das Investitionsvolumen haben.

Erweiterung der Zellstoff-Kapazitäten
Durch den im Jahr 2017 begonnenen Ausbau und die Modernisierung der bestehenden Faserzellstoffwerke in Lenzing und Paskov werden die Produktionskapazitäten für Zellstoff um etwa 35.000 to pro Jahr gesteigert. Die Erweiterung in Lenzing wurde im 2. Halbjahr 2019 erfolgreich umgesetzt. Die schrittweise Inbetriebnahme der neuen Kapazitäten am Standort Paskov startete in etwa zur gleichen Zeit und wird im 1. Quartal 2020 abgeschlossen sein.

Durch die Entscheidung, gemeinsam mit ihrem Partner Duratex ein Zellstoffwerk in Brasilien zu bauen, wird Lenzing ihre Eigenversorgung um 500.000 to pro Jahr erhöhen und damit die Rückwärtsintegration entscheidend stärken. Die Inbetriebnahme ist für das 1. Halbjahr 2022 geplant. An dem gemeinsamen Joint-Venture hält Lenzing 51 Prozent und Duratex 49 Prozent. Die erwarteten Baukosten liegen bei etwa USD 1,3 Mrd. (unter Berücksichtigung der aktuellen Wechselkurse und der üblichen Steuerrückerstattungen).

Erweiterung der Spezialfaser-Kapazitäten
Lenzing startete im Berichtsjahr auch mit der Errichtung einer hochmodernen Lyocellfaser-Produktionsanlage in Thailand. Das Investitionsvolumen für die neue Anlage mit einer Nennkapazität von 100.000 to beträgt etwa EUR 400 Mio. Die Bauarbeiten starteten im 2. Halbjahr 2019. Die Fertigstellung ist für Ende des Jahres 2021 geplant.

Lenzing setzt durch den Ausbau der Produktion von Spezialfasern den Fokus auf stabiles und profitables Wachstum sowie eine Verbesserung des ökologischen Fußabdruckes der Textil- und Vliesstoffbranchen. Im Berichtszeitraum wurde außerdem die Umstellung der Produktionskapazitäten von Standardviscose auf die Spezial-Viscosefasern der Marke LENZING(TM) ECOVERO(TM) vorangetrieben. LENZING (TM) ECOVERO(TM) Fasern werden dank eines sehr guten ökologischen Fußabdruckes und einer wegweisenden Identifikationstechnologie sehr gut vom Markt angenommen.

Lenzing glänzt bei den Oscars
Die Sichtbarkeit der Marke TENCEL(TM) wurde im Berichtszeitraum durch Co-Branding weiter erhöht. Die Zahl der Endprodukte, die mit der Marke TENCEL(TM) versehen sind, hat sich im Vergleich zum Vorjahr auf 173 Mio. beinahe verdoppelt. Im 1. Quartal 2019 wurde auf der Produktwebsite www.tencel.com  das digitale Vermarktungskonzept "Where to buy" eingeführt. Dieses ermöglicht die Präsentation und Verknüpfung von Produkten mit TENCEL(TM) Fasern in den Online-Shops von mehr als 135 Partnern, darunter Marken wie H&M, Levi's, Allbirds, Victoria Secret, Esprit, Pottery Barn und Asos.

Lenzing Fasern verzeichneten auch bei der diesjährigen Oscar-Verleihung in Los Angeles einen tollen Erfolg. Gleich drei Kleider, getragen von nominierten und siegreichen Filmstars, wurden aus Stoffen mit TENCEL(TM) Luxe Filamenten handgefertigt. Die starke Resonanz in den sozialen Medien bot eine hervorragende Plattform für dieses nachhaltige und innovative Produkt der Lenzing Gruppe.

Science Based Targets Initiative bestätigt Klimaziele
Im Berichtsjahr gab Lenzing bekannt, ihren CO2-Ausstoß substanziell zu reduzieren und dafür in den kommenden Jahren mehr als EUR 100 Mio. in nachhaltige Technologien und Produktionsanlagen zu investieren. Ein erster Meilenstein wurde für das Jahr 2030 gesetzt, bis zu dem Lenzing die eigenen CO2-Emissionen je Tonne Produkt um 50 Prozent senken will. Für 2050 gab Lenzing die Vision einer klimaneutralen Produktion ohne Netto-CO2-Emissionen aus. Die Science Based Targets Initiative, die anerkannteste Organisation auf dem Gebiet der klimarelevanten Zielsetzung, hat die Klimaziele im 2. Halbjahr 2019 wissenschaftlich bestätigt. Lenzing ist damit der erste Hersteller holzbasierter Fasern, der Science-based targets definierte.

Lenzing setzt sich ambitionierte Ziele für 2024
Die Lenzing Gruppe arbeitete im Berichtsjahr an einer Anpassung ihrer Ziele im Rahmen der sCore TEN Strategie. Im Fokus der nächsten Jahre stehen dabei ganz klar die Umsetzung der Klimaziele sowie die Investitionsprojekte in Thailand und in Brasilien. Bis zum Jahr 2024 will Lenzing den Anteil an hochwertigen Spezialfasern auf 75 Prozent des Faserumsatzes steigern. Der Anteil der Eigenversorgung mit Faserzellstoff soll sich auf mehr als 75 Prozent erhöhen. Die strategische Festlegung bis 2024 in Bezug auf die Klimaziele sieht vor, die Emissionen je Tonne Produkt um mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 2017 zu senken. Das EBITDA soll bis 2024 auf EUR 800 Mio. gesteigert werden und damit ein strukturell neues Niveau erreichen.

Die solide Entwicklung der vergangenen Jahre, auch unter den teils sehr schwierigen Marktbedingungen, bestätigt Lenzing in ihrer strategischen Ausrichtung. Das Unternehmen ist heute vor allem aufgrund seiner Spezialitätenstrategie und seiner starken Marken basierend auf Innovation und nachhaltigem Handeln deutlich resilienter als noch vor einigen Jahren. Die strategischen Eckpunkte blieben daher weitgehend unverändert. Lenzing geht weiterhin auch von einem stark wachsenden Fasergeschäft aus und erwartet, dass die Nachfrage nach holzbasierten Cellulosefasern bis 2024 um 4 bis 6 Prozent pro Jahr - und damit doppelt so schnell wie der gesamte weltweite Fasermarkt -wachsen wird.

Ausblick
Der Internationale Währungsfonds rechnet für 2020 mit einer leichten Erholung des weltweiten Wirtschaftswachstums auf 3,3 Prozent. Gleichzeitig warnt der IWF aber auch vor zahlreichen Risiken. Immer häufiger auftretende Wetterextreme und aktuell auch das Coronavirus drohen die globale Wirtschaft 2020 ebenfalls massiv zu beeinflussen. Das Wechselkursumfeld bleibt in den für Lenzing wichtigen Regionen volatil.

Die Nachfrage auf den globalen Fasermärkten ist derzeit wegen der Ausbreitung des Coronavirus, das insbesondere in China weite Teile der textilen Wertschöpfungskette lahmlegt, schwer prognostizierbar. Die Lagermengen für Baumwolle werden nach vorläufigen Berechnungen für die Saison 2019/2020 auf hohem Niveau verbleiben. Für Baumwolle wie für Polyester wird von einem weiterhin gedämpften Preisniveau ausgegangen.

Die Kapazitätserweiterungen bei der Standardviscose werden auf einem etwas niedrigeren Niveau als 2019 erwartet, führen aber dennoch zu einer Erhöhung des Kapazitätsüberhangs. Der Druck auf die Preise, die sich seit geraumer Zeit auf einem historischen Tiefststand bewegen, sollte daher auch im Geschäftsjahr 2020 aufrecht bleiben. Trotz der zusätzlichen Lyocell-Kapazitäten in China und der geringen Visibilität geht die Lenzing Gruppe von einer Fortsetzung der vergleichsweise positiven Entwicklung ihres Spezialfasergeschäftes aus.

Die Preise für Faserzellstoff entwickeln sich angesichts der angespannten Situation am Markt für Standardviscose und niedriger Preise für Papierzellstoff weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Die Preise für Natronlauge in Asien haben in den vergangenen Monaten bereits deutlich nachgegeben. In Europa ist diese Entwicklung nun ebenso spürbar.

Die oben genannten Effekte trüben die Ergebnis-Visibilität für das Jahr 2020 deutlich ein. Die Lenzing Gruppe geht derzeit davon aus, dass das Ergebnis für 2020 unter dem Niveau von 2019 liegen wird.

Die Lenzing Gruppe sieht sich angesichts der Marktentwicklungen in der gewählten Unternehmensstrategie sCore TEN bestätigt und wird insbesondere die strategischen Investitionsprojekte, die ab 2022 einen signifikanten Ergebnisbeitrag liefern werden, entschlossen vorantreiben.

  • Stefan Doboczky (CEO).
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