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IV OÖ-Geschäftsführer DI Dr. Joachim Haindl-Grutsch

Konjunkturbarometer der OÖ Industrie zeigt neuerlich nach unten und lässt bisherigen zarten Optimismus schwinden

17. Juli 2014 | 15:10 Autor: IV-Oberösterreich Oberösterreich

Linz (A) Gemäß Prognosen einiger Wirtschaftsforscher zu Jahresbeginn hätte die für das laufende Jahr erwartete Konjunkturerholung bereits einsetzen sollen, tatsächlich ist von einem Aufschwung aber weit und breit nichts in Sicht. Im Gegenteil: Laut jüngster Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ), an der sich 99 Firmen mit insgesamt 97.500 Mitarbeitern beteiligten, zeigt das Konjunkturbarometer wieder leicht nach unten.

Sowohl die Ist-Werte als auch die zukunftsbezogenen Indikatoren sind nach einer vorsichtigen Aufwärtsentwicklung im 1. Quartal 2014 nun wieder zurückgegangen. Bei der Geschäftslage, bei den Auftragsbeständen und bei den Auslandsaufträgen haben sich die Salden aus Positiv- und Negativmeldungen beinahe halbiert. Dementsprechend gering ist auch der Optimismus in den oberösterreichischen Industriebetrieben, was die Konjunkturentwicklung im zweiten Halbjahr betrifft: Die ohnehin niedrigen Verkaufspreise werden zurückgehen und bei der Ertragssituation der Unternehmen ihren Tribut zollen. „Viele Länder, die zuletzt als Hoffnungsmärkte galten, kämpfen wieder mit wirtschaftlichen Problemen oder politischer Instabilität. Insofern ist es nur wenig verwunderlich, dass die Konjunkturerholung in der heimischen Industrie weiter auf sich warten lässt“, kommentiert IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch das aktuelle Umfrageergebnis.

Die Ergebnisse im Detail
Konkret wurde für das 2. Quartal 2014 die Geschäftslage – gewichtet nach Mitarbeiterzahlen – von 23 Prozent der Betriebe als „gut“ und von 12 Prozent als „schlecht“ beurteilt. 65 Prozent bewerteten sie mit „gleichbleibend“; der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen sank damit von +23 Prozent im Vorquartal auf nunmehr +11 Prozent. Die Salden bei den Auftragsbeständen und den Auslandsaufträgen reduzierten sich von +62 bzw. +58 Prozent auf nur mehr +38 bzw. +31 Prozent, bei der aktuellen Ertragssituation ging der Saldo sogar von zuvor +12 Prozent auf die Nulllinie zurück.

Parallel dazu scheint sich auch der vorsichtige Optimismus, der im 1. Quartal noch vorherrschte, wieder einzudämmen. Bezüglich der Geschäftslage in 6 Monaten glauben wiederum gewichtet nach Mitarbeiterzahlen nur mehr 22 Prozent der Unternehmen an eine Besserung und wieder 7 Prozent an eine fallende Entwicklung. Bedingt durch Rundungsdifferenzen liegt der Saldo nur mehr bei +14 Prozent, während er im Vorquartal noch bei +24 Prozent hielt. Leichte Rückgänge werden auch bei der Produktionstätigkeit (Saldo: +22 %) und der Auslastung der Produktionskapazität in 3 Monaten (+23 %) sowie bei der Ertragssituation in 6 Monaten (+20 %) erwartet. Der deutlichste Einbruch dürfte bei den Verkaufspreisen in 3 Monaten (Saldo -26 % nach -7 % im 1. Quartal 2014) bevorstehen.

Weiterer Rückfall hinter Deutschland
„Alles in allem deuten die aktuellen Umfragewerte auf eine leichte Konjunkturabschwächung in der OÖ. Industrie hin“, interpretiert Haindl-Grutsch die Ergebnisse der IV OÖ-Konjunkturumfrage für das 2. Quartal 2014. Seit nunmehr bereits zwei Jahren stagniert die Einschätzung der Geschäftslage im zart positiven Bereich, ohne richtig Schwung aufzunehmen: „Der aktuelle Rückgang verdeutlicht, dass auch in diesem Jahr nichts aus einem stärkeren Konjunkturaufschwung wird. Ebenso steht fest, dass es zu der von der Politik herbeigewünschten Entspannung der öffentlichen Haushalte und am Arbeitsmarkt nicht kommen wird.“

Bestehen bleibe hingegen die Erkenntnis, dass Steigerungen im Wirtschaftswachstum derzeit nicht über die Konjunktur sondern nur durch Verbesserungen der Standortattraktivität möglich seien. „Durch eine Senkung der Lohnnebenkosten, die Flexibilisierung der Arbeitszeitregelungen und eine spürbare Entbürokratisierung der Wirtschaft könnte ein zusätzliches Wachstum von ein paar Zehntelprozentpunkten durchaus erzielt werden“, erklärt der IV OÖ-Geschäftsführer. Dies sei auch dringend notwendig, weil der Standort Österreich drohe, weiter hinter Deutschland zurückzufallen. „Über mehr als zehn Jahre lang konnte Österreich ein stärkeres Wachstum aufweisen als Deutschland. Diesen Wachstumsvorsprung haben wir inzwischen verloren – alleine im 1. Quartal wuchs die deutsche Wirtschaft drei Mal so stark wie die österreichische“, sagt IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch. Dieser Umstand sei ein starkes Signal dafür, dass es für Österreich dringend an der Zeit sei, die Attraktivität des Standortes zu erhöhen und damit wieder zu den führenden Industrieregionen Europas aufzuschließen. „In Zeiten, wo die Weltwirtschaft nicht mehr so funktioniert und wächst wie erhofft, dürfen wir nicht auf externe Entwicklungen hoffen, mit denen wir mitschwimmen können. Wir müssen die Zügel selbst in die Hand nehmen und alles dafür tun, um unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit wieder zu erhöhen“, so Haindl-Grutsch.

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