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Mag. Otto Zotter, KSV1870 Oberösterreich

6% Zuwachs bei Firmeninsolvenzen durch viele kleine Fälle

22. September 2016 | 16:17 Autor: KSV1870 Oberösterreich

Linz (A) Nach drei Jahren Rückgang in Folge auf den niedrigsten Wert seit 20 Jahren steigen die Unternehmenspleiten heuer in Oberösterreich um rd. 6%. Da es aber hauptsächlich kleine und kleinste Gewerbebetriebe getroffen hat, sind die Schäden bei den Gläubigern und die Verluste bei den Arbeitsplätzen deutlich niedriger als vor einem Jahr.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres schlitterten 449 oberösterreichische Firmen in die Insolvenz, das waren um 25 Fälle oder 5,9% mehr als im Vergleichszeitraum des Jahres 2015. Der Anstieg ist gut doppelt so hoch als im Bundesdurchschnitt, der bei plus 2,8% liegt.

Erwischt hat es heuer hauptsächlich kleine Gewerbebetriebe. Großfälle, wie wir Sie vor einem Jahr z.B. mit der Bäckereipleite Ring Brot oder dem Anlagenbauer FMT in Wels erlebt haben, sind heuer in OÖ ausgeblieben. Dadurch ist die Zahl der von den Insolvenzen betroffenen Arbeitsplätze mit 1.450 deutlich niedriger ausgefallen ist als vor einem Jahr, wo 2.500 Dienstnehmer betroffen waren (Rückgang um 42%). Auch die Schäden für die Gläubiger sind heuer wesentlich geringer. Sie fordern in Summe 164 Mio. Euro von den Pleitefirmen, im Vorjahr waren es 314 Mio. Euro (Rückgang um knapp die Hälfte).

Zur Branchenanalyse
Die meisten Insolvenzen in OÖ gab es unter den unternehmensbezogenen Dienstleistungsbetrieben (79), knapp gefolgt von der Bauwirtschaft (77 Fälle). Im Gastgewerbe mussten 64 Insolvenzen verzeichnet werden und die KFZ-Betriebe steuerten 28 Fälle bei. Die Maschinen-/Metallbranche und das Transportgewerbe brachten es auf je 25 Firmenpleiten.

Die 10 größten Fälle dieses Jahres in Oberösterreich können der Tabelle im Anhang entnommen werden.

Im Bundesländerranking findet man Oberösterreich mit den 449 Firmenpleiten nach neun Monaten dieses Jahres mit einem deutlichen Abstand erst an vierter Stelle hinter Wien (1.345 Firmenpleiten), Niederösterreich (555) und der Steiermark (548).

Resümee und Ausblick auf das Gesamtjahr 2016
Die Zahlen der drei Quartale 2016 zeigen uns, dass nach einem dreijährigen Rückgang der Firmeninsolvenzen, der zu einem erheblichen Teil dem Stagnieren der Wirtschaft und dem Vorteil der extrem niedrigen Zinsen zugeschrieben wird, eine Trendumkehr stattgefunden hat. Es zeigen sich jetzt die Auswirkungen der anhaltenden Konjunkturschwäche, in der viele Betriebe von ihrer Substanz leben mussten. Es erwischt zunächst Kleinbetriebe mit wenig Eigenkapital, die genau aus diesem Grund auch keinen günstigen Kredit in Anspruch nehmen können, weil sie den gestiegenen Bonitätsanforderungen nicht entsprechen und die geforderten Sicherheiten nicht bieten können.

Die rund 6% mehr Firmenpleiten im Jahresabstand gemessen sind ein Warnsignal, dass in Oberösterreich vor allem Kleinbetriebe an Ertragsproblemen zu leiden haben. Dennoch wäre es übertrieben, gleich Alarm zu schlagen, denn mit 449 Insolvenzen nach neun Monaten sind wir weit vom bisherigen Negativrekord entfernt, der nach drei Quartalen 2009 mit 716 Firmenpleiten aufgestellt worden ist und außerdem zeigt sich die heimische Wirtschaft im Bundesländervergleich als nach wie vor sehr robust, denn bei einem Firmenanteil von über 15% entfallen nur 11,5% aller Insolvenzen auf Oberösterreich. Das Gesamtjahr 2016 sollte ähnlich weiter verlaufen und bis zum Jahresende einen einstelligen Zuwachs der Firmeninsolvenzen gegenüber dem Vorjahr ausweisen.

Zu den Privatkonkursen
Vor allem die gescheiterten Selbständigen und die Rekordzahlen bei den Arbeitslosen trugen in den letzten Jahren in Oberösterreich dazu bei, dass die Anzahl der Personen mit massiven Schuldenproblemen auf etwa 12 bis 14.000 angestiegen ist. Wir erleben daher heuer auch eine zweistellige Zunahme bei den angestrebten Schuldenregulierungs-verfahren,  die im allgemeinen Sprachgebrauch als „Privatkonkurse“ bekannt sind. Die Fälle nähern sich dem Rekord, der aus dem Jahr 2011 stammt.

940 Privatkonkurse wurden bei den oberösterreichischen Bezirksgerichten in den ersten neun Monaten dieses Jahres eröffnet. Das sind um 103 Fälle oder um 12,3% mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres und entspricht 5 Privatpleiten jeden Arbeitstag. Damit legen die Privatkonkurse nach einem 6%igen Rückgang im Vorjahr wieder deutlich zu und erreichen knapp das Niveau des bisherigen Rekords, der aus 2011 stammt und bei 963 Eröffnungen nach drei Quartalen steht.

Oberösterreich liegt mit den 940 Privatkonkursen auch heuer wieder auf Platz 2 der Bundesländerreihung, nur übertroffen von Wien mit gleich 2.452 Fällen. Nach OÖ folgen Niederösterreich (792), die Steiermark (490), Tirol (459), Kärnten (390), Vorarlberg (295), Salzburg (290) und das Burgenland mit nur 98 Fällen.

Der durchschnittliche Schuldenstand pro Privatkonkurs liegt heuer mit EUR 122.300,-- unter dem Vorjahreswert von EUR 129.000,--.

Der Privatkonkurs: Ein Weg aus der Schuldenfalle
Der Privatkonkurs, der im Jahr 1995 in der Insolvenzordnung verankert worden ist, erfüllt seine Aufgabe als gerichtliches Schuldenregulierungsverfahren und man kann daher den hohen und steigenden Zahlen auch etwas Gutes abgewinnen: Die praktische Erfahrung zeigt, dass in Oberösterreich in den ersten neun Monaten 2016  81,3% der Schuldner der Abschluss eines Zahlungsplans mit den Gläubigern gelang. Weitere 17,5% der Konkursanten streben einen Schuldennachlass über ein Abschöpfungsverfahren an und gelangen bei Erreichen einer Zahlungsquote von zumindest 10% auf ihre gesamten Verbindlichkeiten in 7 Jahren zur vollständigen Schuldbefreiung. In nur 1,2% der Privatkonkurse kam es zu keinem Schuldenregulierungsverfahren. Der Privatkonkurs leistet also gute Arbeit wenn es darum geht, massive finanzielle Probleme bei Privaten wieder in den Griff zu bekommen.

Resümee und Ausblick auf das Jahr 2016
In gut jedem 4. Fall wird der Privatkonkurs durch Schulden aus einer gescheiterten selbständigen oder gewerblichen Tätigkeit ausgelöst. Ein weiterer wesentlicher Grund für den Anstieg der Privatinsolvenzen ist das anhaltend hohe Niveau bei den Arbeitslosenzahlen, denn Jobverlust ist mittlerweile zu einer der häufigsten Ursachen für finanzielle Probleme bei Personen geworden, die Schulden an der Belastungsgrenze haben. Da retten dann auch die historisch niedrigen Kreditzinsen oder die Vorteile aus der Steuerreform nicht mehr vor dem finanziellen Kollaps.

Da sich die Lage am Arbeitsmarkt nur zögerlich entspannt, geben die aktuellen Zahlen die Richtung für das Gesamtjahr vor: die Privatkonkurse werden in Oberösterreich auf hohem Niveau bleiben, und wahrscheinlich zum Jahresende den bisherigen Höchststand noch übertreffen, der im Jahr 2011 mit 1.270 eröffneten Verfahren aufgestellt worden ist.

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