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Energie AG-Generaldirektor Leo Windtner

Energie AG Oberösterreich trotz schwieriger Rahmenbedingungen weiter auf Erfolgskurs

03. Juni 2016 | 16:40 Autor: Energie AG Österreich, Oberösterreich

Linz (A) Die außergewöhnlichen Entwicklungen der letzten Jahre auf den Energiemärkten haben von allen Marktteilnehmern außergewöhnliche Maßnahmen verlangt: Die Energie AG hat frühzeitig auf diese Rahmenbedingungen reagiert, positive Auswirkungen dieser Anstrengungen spiegeln sich im Halbjahresergebnis des laufenden Geschäftsjahres wider. Trotzdem sind weitere Maßnahmen erforderlich um die Ergebnisleistungsfähigkeit des Konzerns zu erhalten. Zudem drücken der milde Winter und die unterdurchschnittliche Wasserführung das Ergebnis.
 
Die dramatischen Verzerrungen durch ein völlig fehlgeleitetes Fördersystem im Bereich der erneuerbaren Energien im Nachbarland Deutschland haben zu dramatischen Marktumbrüchen in der Energiebranche geführt. Am Ende des Geschäftsjahres 2014/15 ist man noch davon ausgegangen, dass die psychologisch wichtige Grenze von EUR 30/MWh nicht unterschritten werden wird. „Der Großhandelspreis lag zwischenzeitlich nur mehr knapp über EUR 20/MWh“, sagt Energie AG-Generaldirektor Leo Windtner, „diese Entwicklung ist nicht mehr nachvollziehbar und kann für Marktteilnehmer tatsächlich existenzbedrohend werden.“ Für die kommenden Jahre ist keine wesentliche Erholung in Sicht.  Windtner: „Fakt ist, dass diese externen Rahmenbedingungen trotz unseres derzeit operativ guten Geschäftsverlaufs die künftige Ergebnissituation maßgeblich beeinflussen werden.“
 
Die Umsatzerlöse der Energie AG sanken im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres (1. Oktober 2015 bis 31. März 2016) auf EUR 844,9 Mio. (Vergleichszeitraum 2014/15: EUR 909,5 Mio., -7,1 %). Das operative Ergebnis (EBIT) konnte hingegen auf EUR 103,1 Mio (EUR 88, 9 Mio., +16,0 %) gesteigert werden. Die Investitionen beliefen sich auf EUR 52,4 Mio. (EUR 48,6 Mio., +7,8 %), der Mitarbeiterstand im Konzern beträgt 4.350 (FTE zum 31.03.2016; 4.316, +0,8 %).
 
Ausschlaggebend für den Umsatzrückgang sind Umsatz- und Absatzrückgänge aufgrund des milden Winters, weniger Umsatz beim Stromhandel sowie ein deutlicher Erzeugungsrückgang durch eine niedrigere Wasserführung in den eigenen Wasserkraftwerken.
 
Ergebnisseitig machen sich neben günstigen Entwicklungen im Stromvertrieb auch der vermehrte Einsatz des Gas-und-Dampf-Kraftwerkes Timelkam aufgrund von Vorhaltungen für Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland und Österreich positiv bemerkbar. Auch gestiegene Absatzmengen im Gas-Bereich sowie höhere Erlöse bei den Unternehmensbeteiligungen wirkten positiv auf das EBIT. Das Ergebnis beeinflussen auch Wertminderungen aufgrund der aktuellen Entwicklung der Stromhandelspreise.
 
Die Rating-Bestätigung von Standard & Poor‘s vom März 2016 mit der im Branchenvergleich sehr guten Ratingnote „A-/stabiler Ausblick“ bestätigt die Energie AG in der konsequenten Umsetzung der vorausschauenden Finanzstrategie.
 
Segment Energie:
Weniger erneuerbare Energie, aber deutlich mehr thermische Energie


Im Berichtszeitraum kam es zu deutlichen Verschiebungen im eigenen Aufbringungsmix der Energie AG. Dies ist einerseits den Witterungsverhältnissen geschuldet, andererseits durch außergewöhnliche Situationen bei den thermischen Kraftwerken bedingt:

  • Die Wasserführung der von der Energie AG zur Stromgewinnung genutzten Gewässer liegt rund 10 % unter dem langjährigen Mittel.
  • Der Wasserkraft-Anteil liegt bei
    378 GWh aus eigenen Wasserkraftwerken (-8,7 %) und
    487 GWh bei den Bezugsrechten (-13,3 %).
  • Ein deutlicher Rückgang ist bei den erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Biomasse) zu verzeichnen, was überwiegend mit der Umstellung des Biomassekraftwerkes Timelkam von Kraft-Wärme-Kopplung auf reinen Heizwerkbetrieb begründet ist (34 GWh, -48,5 %)
  • Der verstärkte Einsatz des Gas-und-Dampf-Kraftwerkes Timelkam (Einsatzbereitschaft für deutsche und den österreichischen Übertragungsnetzbetreiber) und der optimierte Einsatz zur Verstromung der Restkohle am Standort Riedersbach bis Ende März 2016 sorgen für ein deutliches Plus (1.075 GWh, +132,2 %) bei der thermischen Stromerzeugung.

Der Stromabsatz sank aufgrund der Überführung von Kundenverträgen aus der Vertriebsgesellschaft in die at equity konsolidierte ENAMO GmbH  auf 4.088 GWh (4.229 GWH, -4,9 %), wobei der Abgabewert an Privat- und Businesskunden im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stabil blieb. Der Gasabsatz stieg trotz verminderter Abgabe an Haushaltskunden durch den Gewinn neuer Großkunden auf 2.441 GWh (1.694 GWh, +44,1 %). Deutlich ausgeweitet werden konnte auch der Wärmeabsatz in Contracting-Anlagen durch verschiedene Neuinbetriebnahmen. Die abgeschlossenen Modernisierungen und Effizienzmaßnahmen bei den Wärmeanlagen in Kirchdorf und Steyr (ECO Steyr) machen sich ebenfalls erstmals positiv bemerkbar und sorgen für nachhaltig mehr Energieausbeute.
 
Ein Meilenstein konnte im Bereich der Windenergienutzung mit der Inbetriebnahme des Windparks Trautmannsdorf erreicht werden, der sich seit Februar im Regelbetrieb befindet. Gleichzeitig wurde der Verkaufsprozess für eines von drei von den Windkraftexperten der Energie AG entwickelten Windkraftprojekte in Polen eingeleitet.
 
Segment Netz:
Synergieeffekte durch OÖ Ferngas-Integration wirken nachhaltig

 
Höhere Netzabgabemengen im Bereich Erdgas und regulatorische Anpassungen sorgen für einen Umsatzanstieg von 5,4 Prozent im Segment Netz. Ergebnisseitig wirken vor allem die nachhaltigen Synergieeffekte aus der Integration der OÖ. Ferngas AG – sie sind neben regulatorischen Anpassungen der Systemnutzungsentgelte hauptverantwortlich für ein EBIT-Plus von 17,7 %.
 
Das Stromnetz der Netz Oberösterreich GmbH erstreckt sich derzeit auf über 31.600 Kilometer und wird laufend optimiert. Gleichzeitig läuft mit dem Rollout der intelligenten Stromzähler auch der Umbau zum intelligenten Stromnetz – mehr als 250.000 neue Zähler sind bereits in Kundenanlagen installiert. Diese sind notwendig, um die Steuerbarkeit zum Beispiel von dezentralen Erzeugungsanlagen sicherzustellen. Derzeit sind an das Stromnetz mehr als 14.500 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 125 Megawatt angeschlossen. Diese können den Jahresstrombedarf von rund 3.600 Haushalten erzeugen.
 
Segment Entsorgung:
Gute Auslastung, aber Strom- und Wertstoffpreise drücken auf das Ergebnis

 
Im Entsorgungsbereich konnte nach Umsetzung des Restrukturierungsprogrammes die Geschäftstätigkeit stabilisiert und neu ausgerichtet werden. Sinkende Strom- und Wertstoffpreise lassen den Umsatz leicht zurückgehen (-1,1 %), machen sich aber auch beim EBIT bemerkbar. Berücksichtigt werden mussten im Ergebnis aber auch Wertminderungen in Höhe von EUR 4 Mio. sowie höhere Instandhaltungskosten aufgrund von Wartungstätigkeiten.
 
Die beiden thermischen Verwertungsanlagen in Wels und Lenzing können durch eine intensive Marktbearbeitung optimal ausgelastet werden. Dadurch liegen die Wärmeabgabe und Stromerzeugung über bzw. auf dem Niveau des Vergleichszeitraumes 2014/15. Die operativen Schwerpunkte liegen bei der Intensivierung der Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden, aber auch bei der gezielten Bearbeitung des baunahen Bereiches, in dem steigende Mengen verzeichnet werden konnten.
 
Segment Wasser:
Stabiler Geschäftsverlauf und stabile Ergebnisse

 
Durch Preis- und Mengensteigerungen im operativen Kerngeschäft konnte in der Wasser-Gruppe der Energie AG ein deutliches Umsatz-Plus von 3,4 Prozent erwirtschaftet werden. Positiv wirkt sich auch der Wechselkurs zwischen Euro und Tschechen-Krone aus, da ein Großteil des Geschäftes in der Tschechischen Republik gemacht wird.
 
Höhere Ergebnisbeiträge aus dem Trink- und Abwassergeschäft werden durch erfolgreiche Verlängerungen von Betreiberkonzessionen, deutliche Zuwächsen in Teilsegmenten wie Baumontage-Leistungen, sowie neu eingeführte Serviceleistungen z.B. im Bereich der Verstopfungsbehebung bei Kanal- und Hausanschlüssen unterstützt. Das Ergebnis der Wasser-Gruppe konnte so um 14,3 % gesteigert werden.
 
Segment Holding und Services:
Deutliche Umsatz- und Ergebnisverbesserungen

 
Ergebnisverbessernd wirken die Maßnahmen, die in den vergangenen Monaten durch das Kostenoptimierungsprogramm der PowerStrategie in allen Unternehmensbereichen gesetzt wurden. Zudem wirken hier auch erstmals nachhaltig die Synergieeffekte aus der Integration der OÖ. Ferngas AG in den Energie AG-Konzern. Positiv wirkt auch der höhere Ergebnisanteil an der Salzburg AG, der at-equity berücksichtigt ist. Der Segmentumsatz stieg im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres um 12,6 %.
 
Zum Segment gehören auch die Tätigkeiten im Telekom-Bereich: Schwerpunkt liegt hier im Bereich der Metering-Leistungen für das Stromnetz und der Installation intelligenter Stromzähler sowie im Aufbau und Betrieb des oberösterreichweiten Glasfasernetzes. Dieses erstreckt sich mittlerweile über 4.800 Kilometer und deckt alle Gemeinden im Netzgebiet der Energie AG ab. Der Fokus liegt hier mit dem Glasfaser-Internetanschluss „powerSPEED“ auf dem Endkunden-Bereich, das derzeit in ausgewählten Siedlungsgebieten angeboten wird.

Herausfordernde Bedingungen auf den Energiemärkten erfordern weitere Effizienzmaßnahmen

Die aktuellen Rahmenbedingungen in der Energiebranche erfordern von den Marktteilnehmern aber auch weitere Maßnahmen zur Sicherung des Unternehmenserfolges: „Wir haben viele Schritte der PowerStrategie 2020 mit der Integration der OÖ. Ferngas schon erfolgreich umgesetzt“, stellt Windtner fest. Die Rahmenbedingungen bleiben weiter schwierig und herausfordernd: „In Abstimmung mit dem Aufsichtsrat und der Belegschaftsvertretung werden weitere Kostenmanagementmaßnahmen erarbeitet“, sagt Windtner. Obwohl in den vergangenen Jahren bereits sehr viel geschehen sei, werde der Fokus weiterhin auf konsequenter Kostensenkung liegen: „Dazu wird für spezifische Themenbereiche die Expertise externer Berater eingebunden und generell die langjährige Erfahrung des Führungsteams im Konzern eingebracht.“

    Energie AG Oberösterreich

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