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Energie AG investiert Millionenbetrag in Erneuerung und Servicierung der Welser Müllverbrennungsanlage (Foto: Energie AG)

Energie AG investiert Millionenbetrag in Erneuerung und Servicierung der Welser Müllverbrennungsanlage

21. Juni 2017 | 07:53 Autor: Energie AG OÖ Österreich, Oberösterreich

Wels (A) Seit fast 25 Jahren betreibt die Energie AG Oberösterreich am Standort Wels thermische Anlagen zur Abfallverwertung. Die Linie I, die seit Bestehen des Standortes im Dauerbetrieb ist, wird dieser Tage einer grundlegenden Servicierung unterzogen. Bei dieser Gelegenheit werden auch Erweiterungen und Erneuerungen vorgenommen, um einerseits technischen, andererseits aber auch betrieblichen Anforderungen besser gerecht werden zu können. Im Herbst erfolgt in einem zweiten Schritt die Großrevision der 2006 in Betrieb gegangenen Linie II. Die Energie AG hat in den Standort Wels seit Errichtung und in die aktuellen Maßnahmen zur Ertüchtigung und Modernisierung der Anlagen mehr als 250 Mio. Euro investiert.
 
Technik-Vorstand Stefan Stallinger: „Die Verwertungsanlage in Wels ist das Herzstück der oberösterreichischen Mülllösung. Sie sichert unter Einhaltung höchster Umweltstandards die fachgerechte und saubere Müllverbrennung und die Fernwärmeversorgung der Stadt Wels.“
 
Geschäftsführer Thomas Kriegner, Energie AG Oberösterreich Umwelt Service GmbH: „Mit der Servicierung und Erneuerung der Anlage investieren wir in die Sicherheit der Anlagen und schaffen die Voraussetzungen, effizient zu fairen Preisen eine fachgerechte Entsorgung anbieten zu können.“
 
Die thermischen Verwertungsanlagen der Energie AG an den Standorten Wels und Lenzing bilden das Herz der Oberösterreichischen Mülllösung. Seit jeher ist das Unternehmen darauf bedacht, die Anlagen auf dem letzten Stand der Technik zu halten, um einen entsprechend sauberen und effizienten Betrieb sicherzustellen.
 
Seit Beginn der thermischen Müllverwertung wurden in den beiden Verbrennungslinien in Wels insgesamt 4,3 Millionen Tonnen Müll behandelt. Dabei wurden rund 1,1 Terawattstunden Wärme (mit dieser Menge können rund 140.000 Haushalte ein Jahr lang mit Wärme versorgt werden) bzw. 2,2 Terawattstunden Strom (entspricht dem Jahresstrombedarf von rund 650.000 Haushalten oder fast 2 Millionen Einwohnern) erzeugt.

Die beiden Linien am Standort Wels sind für einen Gesamtjahresdurchsatz von rund 320.000 Tonnen ausgelegt. Dabei wird nicht nur das Müllvolumen um rund 90 Prozent reduziert, sondern gleichzeitig auch Strom und Wärme erzeugt. Die Stromerzeugung deckt den Jahresbedarf von rund 60.000 Haushalten oder fast 180.000 Einwohnern, mit der verfügbaren Wärmeleistung kann der gesamte Wärmebedarf des Fernwärmenetzes der Stadt Wels gedeckt werden. Mit der Strom- und Wärmegewinnung kann gleichzeitig ein wesentlicher Beitrag zur Verringerung der Treibhausgase und der CO2-Emissionen erreicht werden.

Anlagendaten Abfallverwertung Wels, Linie I und II
Jahreskapazität: 320.000 Tonnen
Wärmeleistung: 110 MW
Stromproduktion: bis zu 175 Mio. kWh/a = 50.000 Haushalte
Fernwärmeproduktion: bis zu 50 MW = 25.000 Haushalte

Die Linie I der Welser Abfallverwertung  ist mit einer verarbeitbaren Gesamtjahresmenge von rund 80.000 Tonnen die kleinere und ältere Linie am Standort. Entsprechend haben sich in den fast 25 Betriebsjahren die Technik und die Anforderungen weiterentwickelt bzw. geändert. Aus diesem Grund wird derzeit die Linie I einer Großrevision unterzogen. Die Betriebsunterbrechung wird auch dazu genutzt, entsprechende Umbauten und Optimierungen der Anlage durchzuführen.

Keine Konflikte durch aktive Bürgerbeteiligung
Am Standort Wels wird seit 1996 auch eine Kompostieranlage betrieben. Pro Jahr werden ca. 6.000 Tonnen hochwertiger Kompost hergestellt. In Wels arbeitet seit 25 Jahren eine Umweltkommission, um die Kommunikation mit der Bevölkerung sicherzustellen und  die Interessen der Anrainer und Stakeholder zu vertreten. Mit der offenen und direkten Kommunikation zwischen Unternehmen und Öffentlichkeit ist es in dieser Zeit gelungen, sowohl die Linie I als auch die Linie II im Einvernehmen zu errichten: Im Rahmen des ersten Genehmigungsverfahrens sah man sich rund 3.000 Einsprüchen im Behördenverfahren gegenüber, genehmigt wurde die Anlage in einem kooperativen Klima von Transparenz und Ehrlichkeit ohne nennenswerte Einsprüche. Die Umweltverträglichkeitsprüfung der Linie II wurde gänzlich ohne Einsprüche der Anrainer abgeschlossen, was für die Qualität des Umgangs miteinander spricht. Heute umfasst der „Recylingpark Wels“ zwei thermische Abfallverwertungslinien, eine Kompostieranlage, eine mechanische Sortierung, eine Reststoffdeponie sowie eine mobile Schlackeaufbereitungsanlage. Zudem besteht am Standort seit 2008 eine eigene Betriebsfeuerwehr, deren Gründung in Gesprächen von den Anrainern massiv unterstützt wurde.
 
Aktuelle Arbeiten an der Linie I 

  • Umbauten, um auf schwankende Müllqualitäten durch Verbesserung des Kesseltechnologie reagieren zu können
  • Überholung der Rosts und Einbau Teststeine für Laufzeiterhöhung
  • Verbesserung der Überhitzer bezüglich Verschmutzungsanfälligkeit
  • Umbau des Schlackeaustrag-Systems

Die Arbeiten am Standort müssen in ein enges Zeitkorsett gepresst werden, um den Anlagenstillstand so lange nötig, aber so kurz wie möglich zu halten: Gearbeitet wird wie in der Branche üblich nahezu rund um die Uhr. Da ein Großteil der Arbeiten im inneren der Anlage erfolgt und lediglich Hubarbeiten zum Ein- und Ausbringen der Anlagenteile im Freien stattfinden, sollte es für Anrainer zu keinen Lärmbelästigungen kommen. Zum Einsatz kommen am Standort bei den Hubarbeiten die größten derzeit in Österreich verfügbaren Autokräne. Beide leisten an die 500 Tonnen Hubkraft und sind in der Lage bei entsprechenden Ausladungen die zu (de)montierenden Anlagenteile bewegen zu können.

Umrüstung erhöht Wirtschaftlichkeit
Ein Hauptteil der Arbeiten findet im Inneren des Verbrennungsraumes statt: dort wo normalerweise das Müllfeuer mit rund 1.000 Grad Celsius brennt, wird die Auskleidung des Brennraumes komplett erneuert. Dabei wird der Brennraum auch auf eine neue, effizientere und effektivere Schutzmethode umgerüstet. Die Innenausstattung mit hochfeuerfesten Schamottmaterial wird durch ein Schutzsystem ersetzt, auf das ein hochbeständiger, aus Speziallegierungen bestehender Schutzmantel aufgeschweißt wird. Die Erfahrungen aus der Linie II, bei der dieses System bereits zum Einsatz kommt, haben die Langlebigkeit der neuen Materialien bestätigt und untermauern die Wirtschaftlichkeit dieser kostspieligen Umrüstung.
 
Ebenfalls getauscht werden bei der Umrüstung die Überhitzerpakete aus dem Kesselhaus. Die Rohrpakete, die bis zu 10 Meter lang und mehrere hundert Kilo schwer sind, müssen im Kesselhaus zerschnitten und dann augehoben werden. Umgekehrt erfolgen die Montage und das leckagelose Verschweißen in der Endposition wieder im Gebäudeinneren. Die Dichtheit dieser Rohrleitungen ist für den Betrieb von besonderer Bedeutung, weil hier der Dampf für die Dampfturbine von 253 auf über 400 Grad Celsius überhitzt wird. Erst mit dieser Temperatur und der damit einhergehenden Sättigung (es sind keine Wassertropfen mehr im Dampf) ist eine sichere Dampfnutzung auf der Turbine zur Stromerzeugung möglich.
 
Im Kesselrost in der Hauptbrandzone werden im Zuge der Revision Roststeine aus neuen, langlebigerem Material eingebaut. Ziel ist es, die Einsatzdauer der Steine deutlich zu verlängern und die Entwicklung der Steine so weit voranzutreiben, dass ein mehrjähriger Einsatz erreicht werden kann. Bei den Umbauten wird zudem eine neue Verbindung zwischen den beiden Verbrennungslinien geschaffen. Damit kann sichergestellt werden, dass bei Anlagenstillstand die in Betrieb verbleibende Linie stets im prozessoptimierten Zustand betrieben werden kann. Zum ersten Mal kommt diese Neuerung bei der Revision und Ertüchtigung der Linie II im Herbst dieses Jahres zu tragen.

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