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IV-GF MMag. Mathias Burtscher und LR Mag. Siegi Stemer

Vorarlberger Maturantenbefragung 2012 - Maturanten bewerten Wirtschaftsstandort positiv und blicken optimistisch in die Zukunft

14. Juni 2012 | 13:29 Autor: IV Vorarlberg Vorarlberg

Lustenau (A) Die Maturanten in Vorarlberg zeichnen – wie auch schon die letzten Jahre – ein sehr positives Bild des Wirtschaftsstandortes Vorarlberg. So bewerten 80 % der Befragten unseren Wirtschaftsstandort als gut bzw. sehr gut und nur 12 % schlecht bzw. sehr schlecht. Das positivste Bild geben dabei die Absolventen der HTL ab.

Sieht man sich die Einschätzung der zukünftigen Wirtschaftslage an, so ergibt sich auch hier ein positives Bild. Während 23 % der Befragten glauben, dass sich die Wirtschaftslage verbessern wird und 60 % angeben, dass sie gleich bleiben wird, befürchten 17 % eine zukünftige Verschlechterung. Bei der letzten Maturantenbefragung 2009 gaben lediglich 15 % an, dass sie sich verbessern wird, während 52 % der Maturanten von einer Verschlechterung überzeugt waren. Aufgrund der Zahlen kann daraus geschlossen werden, dass die Krisenszenarien auch in den Köpfen der Maturanten überwunden sind und der Blick positiv nach vorne gerichtet wird.

Eine für die jungen Menschen sehr wichtige Frage ist die nach der momentanen Arbeitsmarktlage im Wirtschaftsraum Vorarlberg. Während sich bei der Umfrage 2009 ein düsteres Stimmungsbild ergab (45 % der Befragten sprachen von einer eher schlechten oder sehr schlechten Lage am Arbeitsmarkt), wurde jetzt eine sehr positive Bewertung abgegeben. 67 % der Teilnehmer sprechen von einer sehr oder eher guten Lage am Arbeitsmarkt und nur 21 % von einer eher oder sehr schlechten. Auffallend ist, dass auch hier die Absolventen der HTL mit 82 % eine positive Einschätzung aussprechen und nur 13 % eine negative Einschätzung vornehmen. Bei den Absolventen der HAK (28 %), AHS (21 %) und HLW (27 %) sind deutlich negativere Stimmen zu vernehmen.

Bei der Frage der Beurteilung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt nach Abschluss der jeweiligen Ausbildung sind die Maturanten sehr optimistisch. Insgesamt 72 % sehen sehr oder eher gute Chancen (86 % männlich und 79 % weiblich), während nur 9 % eher oder sehr schlechte Chancen sehen.

Aufklärungsbedarf zur Bedeutung der Industrie für Vorarlberg
Auf die Frage welcher Wirtschaftszweig dem Land Vorarlberg am meisten Geld (=Bruttowertschöpfung) bringt, wurde wie auch im Jahr 2009 der Tourismus knapp vor der Industrie gereiht. Es folgen mit größerem Abstand Gewerbe/Handwerk und Handel und weiter abgeschlagen die Landwirtschaft.

Betrachtet man die Daten und Fakten der tatsächlichen Bruttowertschöpfung, wird ersichtlich, dass sich bei den Maturanten ein offensichtlich falsches Bild manifestiert hat und weiterer Aufklärungsbedarf besteht. Alleine die klassische Sachgütererzeugung ist im Ländle für knapp 30 % der Wertschöpfung verantwortlich, während die Gastronomie/Beherbergung für gut 6 % verantwortlich ist (vgl. Vbg in Zahlen/WKV 2011). Aufgabe der Industriellenvereinigung muss es daher weiter sein, die Bedeutung der Industrie für Wohlstand und Beschäftigung in Vorarlberg klar zu kommunizieren: Vorarlberg ist ein Industrieland und durch die Wertschöpfung und die geschaffenen Arbeitsplätze tragen die vielen erfolgreichen heimischen Industrieunternehmen als „Wirtschaftsmotor" zur hohen Lebensqualität in Vorarlberg entscheidend bei.

Bei einer Betrachtung der Antworten aufgeschlüsselt nach Schulen wird ersichtlich, dass in den HTL und der BAKIP über 50 % der Befragten die Industrie als jenen Wirtschaftszweig reihen, der am meisten Geld bringt (gefolgt von HAK, HLW, AHS und HL Tourismus). Auch sprechen die befragten männlichen Maturanten der Industrie einen wichtigeren Stellenwert für die Wertschöpfung zu als die Weiblichen.

Dass die Vorarlberger Industrie generell ein sehr positives Image hat, wird durch die Umfrage deutlich belegt. Diesbezüglich hat sich auch in den letzten Jahren – trotz wirtschaftlich turbulenten Krisenzeiten – nur sehr wenig geändert. Die Industrie wird als erfolgreich, innovativ, als attraktiver Arbeitgeber und als gut vorbereitet für den internationalen Wettbewerb gesehen. Die positivste Bewertung wird im Qualitätsbereich ausgesprochen – ein Lob für die heimischen erfolgreichen Industrieunternehmen.

Maturanten: „Ich will Führungskraft werden“
Ein Schwerpunkt der diesjährigen Maturantenbefragung war dem Thema „Unternehmertum und Umsetzungselite“ gewidmet. Den Weg in die Selbstständigkeit können sich zwar 61 % der Befragten vorstellen, allerdings wird das unternehmerische Risiko mit über 91% (sehr hoch 26 % / hoch 65 %) als sehr schwergewichtig beurteilt. Im Ranking der Schultypen sind in den HTL gefolgt von HL Tourismus und AHS jene Maturanten, die sich am ehesten eine Selbstständigkeit vorstellen können.

Als neuer Aspekt wurde heuer danach gefragt, ob die Übernahme einer Führungsposition mit mehr Verantwortung vorstellbar ist. Relevant ist diese Frage deswegen, da für die Attraktivität eines Wirtschaftsstandorts auch das Vorhandensein von Führungskräften eine gewichtige Rolle spielt. Insgesamt können 87 % der Befragten sich vorstellen, in Führungspositionen tätig zu sein – an erster Stelle rangiert die HL Tourismus gefolgt von HTL und HAK. Auffallend ist, dass die Männer mit 90 % vor den Frauen mit 84 % ein größeres Interesse an Führungspositionen mit Verantwortung aufweisen.

Hauptmotivation Arbeitsklima und berufliche Herausforderungen
Einen bemerkenswerten Schluss lässt sich in Bezug auf die wichtigsten Motivatonsfaktoren für das zukünftige Arbeitsleben der Maturanten ziehen: Weder Einkommen noch berufliches Ansehen oder schon gar nicht viel Freizeit rangieren bei der Frage nach den wichtigsten Aspekten für das zukünftige Arbeitsleben an erster Stelle. Es sind vielmehr das Arbeitsklima und die berufliche Herausforderung. Dies zeigt die hohe Motivation der Schüler nach der Matura Herausforderungen anzunehmen und die Arbeit auch als einen wichtigen Aspekt ihres zukünftigen Lebens zu erachten. Die Unternehmen mit entsprechendem Arbeitsklima und herausfordernden Tätigkeiten können sich auf motivierte zukünftige Mitarbeiter freuen.

Informationen über Wirtschaft in Schulen verbesserungswürdig
Als ein weiterer wichtiger Aspekt wurde beleuchtet, wie gut die Schule über Wirtschaft informiert. 47 % der Maturanten fühlen sich sehr gut oder gut, 32 % ausreichend und beträchtliche 21 % zu wenig informiert. Gegenüber 2009 ist hier eine leichte negative Veränderung erkennbar. Wenn 36 % der befragten HL-Tourismus-Absolventen, 32 % der BAKIP- und 28 % der AHS-Maturanten angeben, sie werden zu wenig über die Wirtschaft informiert, muss dies als Aufruf an die Verantwortlichen gesehen werden.

Bei der Frage nach den wichtigsten Informationsquellen in Bezug auf die Wirtschaft ist erkennbar, dass das Internet nach wie vor Spitzenreiter ist. Eltern und Verwandte haben mittlerweile einen höheren Stellenwert bei der Informationsbeschaffung wie Zeitungen, Zeitschriften, Radio, Fernsehen oder Lehrerinnen und Lehrer.

Ferialpraktika, Exkursionen und Tage der offenen Tür sind in dieser Reihenfolge die wichtigsten Instrumente, wie Maturanten mit der Wirtschaft bisher in direkten Kontakt gekommen sind. Gerade die „Tage der offenen Tür“ haben an Bedeutung zugenommen. Aufgeschlüsselt nach Geschlecht sieht man alleine bei den drei genannten Maßnahmen, dass die weiblichen Befragten mit jeweils ca. 10 % deutlich hinter den männlichen Befragten liegen – sicherlich ein Potential für die heimischen Unternehmen um mehr Mädchen frühzeitig in die Unternehmen zu bringen.

Erklärung
Die Maturantenbefragung ist für die Industriellenvereinigung Vorarlberg ein wichtiges Instrument für bildungs-, wirtschafts- und unternehmenspolitische Maßnahmen. Dank der Kooperation mit dem Landesschulrat und sämtlichen Höheren Schulen konnten auch 2012 eine sehr hohe Rücklaufquote (74,3 Prozent) erzielt und qualifizierte Ergebnisse publiziert werden.

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