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Mag. Michaela Wagner

Vorarlberger Industriekonjunktur: Positive Signale, aber vorsichtige Zukunftseinschätzungen

08. November 2010 | 09:52 Autor: Industriellenvereinigung Vorarlberg Vorarlberg
„Die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage sind durchwegs positiv, allerdings bewerten die Vorarlberger Industrieunternehmen einige Zukunftswerte sehr vorsichtig und skeptisch“, deutet IV-Geschäftsführerin Mag. Michaela Wagner die Konjunkturumfrage im dritten Quartal 2010.

Dies zeige sich auch beim Geschäftsklimaindex, dessen Aufwärtsentwicklung nun im dritten Quartal gebremst wurde. Die Signale seien positiv, aber von einem selbsttragenden Aufschwung könne nach wie vor keine Rede sein, so Wagner. An der Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Vorarlberg und der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Vorarlberg haben sich 51 Unternehmen mit insgesamt 22.392 Beschäftigten beteiligt.

Der Geschäftsklimaindex - das ist der Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten – hat sich im dritten Quartal dieses Jahres um nur 0,80% auf einen Wert von 29,50 verbessert. Zum Vergleich: im Jahr 2007 lag dieser Wert im selben Quartal bei 44,50%. Das bedeutet, daß die Erholung klar an Dynamik verliert. Die aktuelle Geschäftslage wird von 56% der Unternehmen als gut und nur von einem Prozent als schlecht bezeichnet. Die Geschäftslage in sechs Monaten wird von der Vorarlberger Industrie wesentlich vorsichtiger eingeschätzt: nur 8% erwarten eine günstigere Geschäftslage im nächsten halben Jahr, 87% eine etwa gleich bleibende und 5% eine ungünstigere.

Auf einem hohen Niveau bewegen sich die derzeitigen Auftragsbestände sowie die Auslandsaufträge: Der Auftragsbestand wird von 60% als gut und nur von 5% als schlecht bezeichnet. Die Auslandsaufträge werden von 66% als gut und von 6% als schlecht bewertet.  Der Saldo hat sich hier gegenüber dem letzten Quartal von 48 auf 61% erhöht.

Zurückhaltende Erwartungen gibt es bei der Produktionstätigkeit in drei Monaten: 24% erwarten eine abnehmende Produktionstätigkeit, 49% eine etwa gleich bleibende und 28% eine steigende. Der Saldo stürzte von 38 auf 4% ab. Einen ähnlich negativen Trend gibt es bei der  Produktionskapazität in drei Monaten: Der Saldo reduzierte sich von 37 auf minus 5%. 28% rechnen mit einer schlechteren Auslastung der Produktionskapazität, nur 23% mit einer steigenden.

Deutlich positiver werden die Verkaufspreise in drei Monaten eingeschätzt: 37% glauben, daß sie steigen werden, nur 7% rechnen damit, daß sie schlechtere Verkaufspreise erzielen werden. Sehr erfreulich ist auch, dass nahezu die Hälfte der befragten Unternehmen in den nächsten drei Monaten ihren Beschäftigtenstand ausbauen wollen (46%), nur 5% gehen von geringeren Mitarbeiterzahlen aus.

Sehr positiv wird von der Vorarlberger Industrie die derzeitige Ertragssituation bewertet, 52% bezeichnen sie als gut, nur 4% als schlecht. Die diesbezüglichen Erwartungen in einem halben Jahr sind allerdings etwas vorsichtiger: 12% rechnen mit einer besseren, 15% mit einer schlechtere Ertragssituation in einem halben Jahr.

„Gemäss Geschäftsklimaindex hat die Aufwärtsentwicklung an Dynamik verloren. Die Richtung stimmt, aber die Geschwindigkeit paßt noch nicht und das Vorkrisenniveau ist auch noch nicht erreicht. Von einem selbsttragenden Aufschwung kann nicht gesprochen werden. Nachbarländer wie Deutschland oder die Schweiz überholen uns im Eiltempo und Österreich verabsäumt es, durch notwendige Reformen und passende Rahmenbedingungen das Wachstum weiter und im selben Ausmaß wie andere EU-Länder anzukurbeln, so die IV-Geschäftsführerin.

Völlig kontraproduktiv seien gerade jetzt überzogene Lohnforderungen bei den Kollektivvertragsverhandlungen und eine unflexible Haltung hinsichtlich der Durchrechnungszeiten für Überstunden. „Der Ruf nach Arbeitszeitverkürzung ist für uns absolut unverständlich. Dies kostet Jobs und schafft keine. Das Beispiel Frankreich hat dies deutlich bewiesen“, erklärt Wagner.

Die einzelnen Branchen
Sehr erfreulich präsentiert sich in der Maschinen-/Metallindustrie die aktuelle Geschäftslage: 76% bezeichnen sie als gut, nur 3% als schlecht. Ein Wehrmutstropfen sind in dieser Branche die Produktionstätigkeit und Produktionskapazität im nächsten Quartal. Während 18% von einer steigenden Produktionstätigkeit ausgehen, rechnen 41% der befragten Betriebe mit einer abnehmenden Produktionstätigkeit. Bei der Produktionskapazität erwarten nur 3% eine Erhöhung und 50% einen Rückgang. Der Saldo fiel von plus 47% auf minus 47% innerhalb eines Quartals. Grund zu Optimismus ergeben die Verkaufspreise in drei Monaten: der Saldo konnte sich von minus 51 im letzten Quartal auf plus 25% verbessern. Sehr positiv wird auch die derzeitige Ertragssituation bewertet: für 73% ist sie positiv, nur 5% bezeichnen sie als schlecht. In sechs Monaten erwarten sich allerdings nur mehr 4% eine Verbesserung der Ertragssituation, während 15% sogar von einer Verschlechterung ausgehen.

Kaum negative Antworten hat es in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie gegeben. 10% bewerten sowohl die aktuelle Geschäftslage sowie den derzeitigen Auftragsbestand als gut, 90% als durchschnittlich. Der Saldowert ist allerdings bei der aktuellen Geschäftslage gegenüber dem Vorquartal von 32 auf 10% gefallen, beim derzeitigen Auftragsbestand von 63 auf 10%. Sehr erfreulich haben sich die Auslandsaufträge entwickelt: 73% bezeichnen sie als gut, kein einziges Unternehmen als schlecht. Sehr positiv werden auch die Verkaufspreise im nächsten Quartal gesehen: 79% erwarten steigende Preise. Was die Geschäftslage in einem halben Jahr anbelangt, so gehen 35% davon aus, dass sie sich verbessern wird – an eine Verschlechterung glaubt niemand.  Ein völlig anderes Bild zeigt sich bei der Ertragssituation in 6 Monaten: Kein einziges Unternehmen glaubt an eine Steigerung, aber 63% an eine Verschlechterung der Ertragssituation.

In der Textilindustrie bezeichnen 27% der befragten Unternehmen die aktuelle Geschäftslage als gut und 73% als durchschnittlich. Kein einziges Unternehmen spricht von einer schlechten Geschäftslage. Der Saldo hat sich allerdings gegenüber dem letzten Quartal von 50 auf 27% verschlechtert. Auftragsbestand und Auslandsaufträge werden jeweils von 35% als gut und von 65% als durchschnittlich bezeichnet. Einen Einbruch erwarten die Textilunternehmen in den nächsten drei Monaten bei Produktionstätigkeit (27% abnehmend, 8% steigend) und Produktionskapazität (33% abnehmend, 13% steigend). Sowohl die Geschäftslage als auch die Ertragssituation in einem halben Jahr werden von allen Unternehmen als gleichbleibend eingeschätzt.

Sehr erfreulich sind die Ergebnisse in der Elektroindustrie. In dieser Branche sagen 73%, dass die derzeitige Geschäftslage sowie der Auftragsbestand gut seien, 27% bewerten beides als durchschnittlich. Und 73% wollen in den nächsten drei Monaten ihren Beschäftigtenstand erhöhen. Bei den Verkaufspreisen erwarten sich die befragten Unternehmen keine großen Veränderungen: 98% gehen von gleich bleibenden Preisen aus. In etwa gleich bleiben sollte auch die Geschäftslage in einem halben Jahr, sagen 98%. Sehr positiv wird die aktuelle Ertragssituation gesehen (69% gut, 31% durchschnittlich). Ähnlich sehen die Erwartungen zur Ertragssituation in sechs Monaten aus: 47% gehen davon aus, daß die Erträge r steigen werden, 53% erwarten gleich bleibende Erträge.

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