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IV-Geschäftsführerin Mag. Michaela Wagner, Mag. Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie in der WKV

Vorarlberger Industriekonjunktur: Leichte Abschwächung der starken Dynamik

19. Juli 2011 | 10:34 Autor: Industriellenvereinigung Vorarlberg Vorarlberg

„Im zweiten Quartal dieses Jahres ist eine leichte Abschwächung der starken Dynamik der letzten Quartale spürbar. Auch wenn sich die Ergebnisse insgesamt auf einem sehr hohen Niveau bewegen, trübt vor allem der drei- und sechsmonatige Ausblick auf die wirtschaftlichen Entwicklungen den Optimismus“, so IV-Geschäftsführerin Mag. Michaela Wagner zu den Ergebnissen der Konjunkturumfrage. „Wollen wir an den wirtschaftlichen Aufschwung des letzten Jahres anknüpfen, so müssen jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. Reformen sind längst überfällig und die Debatte über die Einführung von neuen Steuern schafft Unsicherheiten, die es gerade jetzt zu vermeiden gilt.“

41 Unternehmen mit insgesamt 21.234 Beschäftigen haben sich an der aktuellen Konjunkturumfrage (2. Quartal 2011) der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg und der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Vorarlberg beteiligt.

Der Geschäftsklimaindex – der Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten – hat sich im zweiten Quartal dieses Jahres um 3,6% auf einen Wert von 39% leicht verschlechtert. „Auch wenn sich die derzeitige Geschäftslage der heimischen Industrie beim Saldowert insgesamt um 10% verbessert hat, so trübt die Aussicht auf die Entwicklung im nächsten halben Jahr das Bild“, so Michaela Wagner. „90% der Industriebetriebe erwarten eine etwa gleich bleibende Entwicklung der Geschäftslage im nächsten halben Jahr, nur 8% eine günstigere. Unsicherheiten wie steigende Rohstoffpreise und eine schwere Planbarkeit lassen wenig Platz für übertriebenen Optimismus in der heimischen Industrie. Die Ergebnisse sind noch eindeutig positiv, aber eine Abschwächung der starken Dynamik ist erkennbar, “ so die IV-Geschäftsführerin.

Positive Signale sind bei der aktuellen Auftragslage zu vernehmen. 79% der befragten Unternehmen berichten von einem guten Auftragsbestand und 21% von einem durchschnittlichen. Ein sehr ähnliches Bild zeigt sich bei den Auslandsaufträgen, die von 78% der Unternehmen als gut bewertet wurden.

Ebenso positiv fällt die Beurteilung der derzeitigen Ertragssituation aus: 60% der Betriebe sprechen von einer aktuell guten, 35% von einer durchschnittlichen und 5% von einer schlechten Ertragssituation (Verbesserung des Saldowertes von +33% auf +55% gegenüber dem Vorquartal). Die Ertragssituation in einem halben Jahr wird von 89% der Betriebe als etwas gleich bleibend und von 9% als besser erwartet.

Die Einschätzung des Beschäftigtenstandes in drei Monaten bleibt, wie im ersten Quartal 2011, weiter positiv: 31% der Betriebe bekräftigen, zusätzliche Mitarbeiter einstellen zu wollen. 66% gehen von einem gleich bleibenden Beschäftigtenstand aus und nur 3% der Betriebe wollen diesen reduzieren.

Zurückhaltendere Erwartungen gibt es bei der Einschätzung der Produktionstätigkeit und der Produktionskapazität in drei Monaten: Der Saldo hat sich jeweils um über 25% verschlechtert. 36% der Betriebe rechnen mit einer steigenden Produktionstätigkeit, 57% mit einer gleichbleibenden. Ähnlich sieht es bei der Produktionskapazität aus: 31% erwarten eine steigende, 63% eine gleich bleibende Auslastung der Produktionskapazität in den nächsten drei Monaten.

Die Ergebnisse der einzelnen Branchen
„Bei der Maschinen- und Metallindustrie haben sich die meisten Parameter gegenüber dem Vorquartal noch weiter verbessert“, so der Geschäftsführer der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Mag. Michael Amann. 87% der Befragten beschreiben die aktuelle Geschäftslage als gut und kein Betrieb bezeichnet sie als schlecht. Beim derzeitigen Auftragsbestand sowie den Exporten sprechen 98% der Unternehmen in dieser Branche von guten Entwicklungen und nur 2% von durchschnittlichen. Dies spiegelt sich auch in der Ertragssituation wider: 77% bezeichnen sie als gut und 23% als durchschnittlich (Verbesserung des Saldowertes von +37% auf +77%  gegenüber dem ersten Quartal). In den nächsten sechs Monaten erwarten sich 27% eine noch bessere Ertragssituation. 16% der befragten Betriebe wollen in den nächsten drei Monaten ihren Mitarbeiterstand ausbauen, 84% wollen ihn halten.

In der Nahrungs- und Genussmittelindustrie ist die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage ähnlich positiv wie im letzten Quartal: 38% bewerten diese als gut, 62% als durchschnittlich. In den nächsten sechs Monaten soll die Geschäftslage etwa gleich bleiben. Sehr erfreulich haben sich die Auftragsbestände und die Auslandsaufträge entwickelt: 74% bzw. 79% sprechen von einer guten Entwicklung und keiner der Betriebe von einer schlechten. Nicht ganz so positiv wird in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie die Entwicklung der Verkaufspreise gesehen: Während 29% noch steigende Verkaufspreise in den nächsten drei Monaten erwarten, gehen 10% von fallenden aus. Markant ist hier die Verschlechterung des Saldowertes um 68% auf 19%. Die derzeitige Ertragssituation ist weitaus besser ausgefallen wie im letzten Quartal (Verbesserung des Saldowertes von -32% auf +3%). Auch wenn 38% der Betriebe die Ertragssituation als gut bezeichnen, wird sie von 35% als schlecht gesehen. Bei der Ertragssituation in sechs Monaten rechnen 10% der Betriebe mit einer Verschlechterung und kein einziges mit einer Verbesserung.

Weniger positive Tendenzen sind in der Textilindustrie zu erkennen. Der Saldowert hat sich bei den meisten Parametern verschlechtert. 87% der Textilbetriebe sprechen von einer durchschnittlichen aktuellen Geschäftslage, nur 10% von einer guten. Den derzeitigen Auftragsbestand bewerten 94% der Unternehmen als durchschnittlich, 3% als gut und 2% als schlecht. Einen Rückgang erwarten die Unternehmen in den nächsten drei Monaten bei der Produktionstätigkeit (33% abnehmend, 10% steigend) und der Produktionskapazität (41% abnehmend, 3% steigend). Sowohl die Geschäftslage als auch die Ertragssituation in einem halben Jahr werden von allen Betrieben als gleichbleibend eingeschätzt, ebenso der Beschäftigtenstand in drei Monaten.

Weitaus positiver sind die Ergebnisse in der Elektroindustrie: 87% der befragten Unternehmen bezeichnen die aktuelle Geschäftslage und den derzeitigen Auftragsbestand als gut, 13% als durchschnittlich und niemand als schlecht. Dies soll auch im nächsten halben Jahr so bleiben - alle Unternehmen erwarten eine gleichbleibende Geschäftslage. Die derzeitigen Exporte bezeichnen 84% als gut und 13% als durchschnittlich. Besonders positiv ist die Entwicklung beim Beschäftigtenstand in drei Monaten: 84% der Unternehmen wollen in den nächsten drei Monaten zusätzliche Mitarbeiter einstellen und 16% rechnen mit einem gleich bleibenden Beschäftigtenstand. Entsprechend positiv wird auch die derzeitige Ertragssituation gesehen (98% gut, 2% durchschnittlich), wenn auch in den nächsten sechs Monaten keine weitere Verbesserung erwartet wird. 98% gehen von einer gleich bleibenden, 2% von einer schlechteren Situation aus.

Aufschwung nicht im Keim ersticken
„Der Vorarlberger Industrie geht es gut. Trotzdem zeigen sich erste Anzeichen einer leichten Abschwächung der starken Dynamik der letzten Quartale. Der Geschäftsklimaindex, der sowohl die derzeitige als auch die zu erwartende Geschäftslage in sechs Monaten berücksichtigt, weist seit Jahresbeginn einen tendenziellen Abwärtstrend auf. Auch wenn sich vor allem in der Metallindustrie sowie der Elektroindustrie die aktuellen Auftragsbestände und Ertragssituationen sehr positiv gestalten, müssen auch die Sechs-Monats-Prognosen berücksichtigt werden. Weder die Textil- noch die Nahrungsmittelindustrie erwarten sich im nächsten halben Jahr eine Verbesserung der Geschäftslage. Vielmehr wird ein Rückgang in der Produktionstätigkeit befürchtet“, resümiert Michaela Wagner. Um an den wirtschaftlichen Aufschwung der zweiten Hälfte des letzten Jahres anknüpfen zu können, müssen sich nicht nur die Industriebetriebe anstrengen, sondern auch die Politik muss ihren Beitrag leisten und die Rahmenbedingungen entsprechend gestalten. Beziehungsweise darf die Politik nicht durch Verschieben oder gar Unterlassen der notwendigen Reformen oder durch das Erfinden neuer Einnahmequellen den Aufschwung im Keim ersticken. Österreich ist bereits ein stark umverteilendes Hochsteuerland und hat eine der höchsten Steuer- und Abgabequoten in der Europäischen Union. Anstatt neue Einnahmequellen in Form von neuen Steuern zu suchen, sollte die Politik besser mehr Effizienz beweisen und wichtige Zukunftsthemen anpacken, um die Wirtschaft in ihren Wachstumstendenzen zu unterstützen“, findet Wagner deutliche Worte.

Eigener Studiengang Elektronik/Elektrotechnik an der FH
84% der befragten Elektroindustriebetriebe in Vorarlberg wollen ihre Mitarbeiterzahl in den nächsten drei Monaten erhöhen und haben große Schwierigkeiten, Personal zu finden. Einer aktuellen Studie der Wirtschaftskammer zufolge sehen 17 befragte Unternehmen einen Bedarf von 329 Uni- bzw. FH-Absolventen im Elektronik-/Elektrotechnikbereich in den nächsten drei Jahren. 83,3% glauben zudem, dass der Bedarf mittel- und längerfristig noch zunehmen wird. „Vorarlberg ist ein Technologiestandort und damit unsere Unternehmen im Elektronikbereich weiter wachsen und wettbewerbsfähig bleiben können, brauchen sie dringend qualifizierte Mitarbeiter. Deshalb ist für diese Branche und auch für einige andere ein eigener Bachelor-Studiengang Elektronik/Elektrotechnik an der Fachhochschule Vorarlberg von größter Wichtigkeit. Die Gespräche laufen bereits. Darüber hinaus müssen wir die Jugendlichen für technische Ausbildung und die interessanten Jobs in der Industrie sensibilisieren“, so Wagner abschließend.

Die Umfragemethode:
Den Unternehmen werden vier Antwortmöglichkeiten gegeben: gut, neutral, negativ und nicht zutreffend. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, und dann wird die konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. An der Umfrage haben sich 41 Unternehmen mit 21.234 Beschäftigten beteiligt.

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