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Vorarlberger Industrie: Start ins neue Jahr besser als erwartet

31. Jänner 2013 | 14:11 Autor: WKV Vorarlberg

Feldkirch (A) „Die Vorarlberger Industrieunternehmen blicken vorsichtig optimistisch in die nähere Zukunft. Durch die zunehmende Kurzfristigkeit der Aufträge und starken Schwankungen bei Rohstoffpreisen wird die Planbarkeit aber erschwert“, betont Industrie-Spartenobmann DI Christoph Hinteregger aufgrund der vorliegenden Ergebnisse der Konjunkturumfrage für das vierte Quartal 2012.

„Wir fordern nachdrücklich eine Modernisierung des Bildungssystems. Weitere Überraschungen in Form von Steuern und Abgaben wären Gift für die Wirtschaft“, so die klare Botschaft der Vorarlberger Industrie.

An der quartalsmäßigen Umfrage der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg und der Industriellenvereinigung haben sich 47 Unternehmen mit insgesamt 23.265 Beschäftigten beteiligt.

Die Konjunkturentwicklung der heimischen Wirtschaft wird aktuell von den internationalen Unsicherheiten geprägt. Der schwächelnde Euro-Raum, die Schwankungen bei den Energie- und Rohstoffpreisen, die Themen Arbeitsmarkt und Fachkräfte, die Staatsschuldenkrise oder etwa die stetige Diskussion um den Euro sind nur einige Beispiele dafür, wie viele Faktoren einen entscheidenden Einfluss auf aktuelle und künftige Entwicklungen 2013 haben.

Der „Geschäftsklima-Index“ - Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten - der Vorarlberger Industrie hat sich gegenüber dem 3. Quartal 2012 mit einem Wert von aktuell 12,4%-Punkten um +5,6%-Punkte wieder verbessert.
Etwa ein Drittel (31 %) der befragten Unternehmen bezeichnet die derzeitige Geschäftslage als gut und 7 % als schlecht (Verschlechterung des Saldowerts gegenüber dem 3. Quartal 2012 von +43% auf +25%).

Optimistischere Einschätzung der näheren Zukunft
Die Geschäftslage in sechs Monaten wird als stabil eingeschätzt. 3% erwarten eine günstigere Geschäftslage im nächsten halben Jahr, 95% eine etwa gleich bleibende. (Verbesserung des Saldowertes um +30%-Punkte!)

Der Export bleibt der Leistungsträger der heimischen Wirtschaft
Der Bestand an derzeitigen Auslandsaufträgen wird von 29% gut und von 12% als schlecht bezeichnet. 59% bewerten die Auslandaufträge als durchschnittlich bzw. saisonüblich.
Durchaus erfreulich sind die Einschätzungen zum Beschäftigtenstand in drei Monaten zu sehen. 87% der befragten Unternehmen wollen den Beschäftigtenstand halten, 4% erwarten einen steigenden Mitarbeiterstand und 9% sprechen von einem sinkenden Mitarbeiterstand. Der derzeitige Auftragsbestand wird überwiegend als durchschnittlich (66%) bis gut (26%) bewertet.

Enormer Preisdruck ist mittelfristig das größte Problem
Deutlich negative Signale gibt es bei der Aussicht auf die Verkaufspreise in drei Monaten.
Hier ist ein Minussaldo von 32% zu verzeichnen. 38% rechnen mit fallenden Verkaufspreisen und nur 6% mit steigenden Preisen.

Positiv hingegen wird die aktuelle Ertragssituation beurteilt: 36% sprechen von einer derzeit guten, 53% von einer durchschnittlichen und 11% von einer schlechten Ertragssituation.
Vorausblickend auf die nächsten sechs Monate wird die Ertragssituation von 84% als gleich bleibend und nur von 4% als besser erwartet.

Optimistisch sind die Einschätzungen bei der Produktionstätigkeit und der Auslastung von Produktionskapazitäten in drei Monaten: 31% der Betriebe rechnen mit einer steigenden Produktionstätigkeit, 9% mit einer abnehmenden. Ähnlich bei der Auslastung: 30% erwarten eine steigende, 61% eine gleichbleibende und 9% eine abnehmende Auslastung ihrer Kapazitäten in den nächsten drei Monaten.

Ergebnisse aus den einzelnen Branchen:

Maschinen- und Metallindustrie
Die aktuelle Geschäftslage wird von der Maschinen- und Metallindustrie gegenüber dem 3. Quartal 2012 nicht mehr ganz so positiv beurteilt. 28% der Befragten bezeichnen sie aktuell als gut, aber bereits 12% als schlecht. Von einer ähnlichen Situation gehen die Unternehmen für die nächsten sechs Monate aus: 97% rechnen mit einer gleich bleibenden Geschäftslage. Sorgen bereitet hingegen der befürchtete Rückgang der Verkaufspreise. 54% erwarten in den nächsten drei Monaten sinkende Preise. Der Saldo hat sich von -10% auf -53%-Punkte verschlechtert! „Dieser enorme Preisdruck, mit dem sich die Unternehmen konfrontiert sehen, kann nur durch gemeinsame Anstrengungen bewältigt werden. Die Unternehmer sind gefordert weiter in Innovation und modernste Produktionsanlagen zu investieren, die Mitarbeiter müssen weiterhin höchst flexibel auf die Markterfordernisse eingehen, “ erläutert Mag. Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer, die Konsequenzen dieses Umfrageergebnisses.

Nahrungs- und Genussmittelindustrie
Von 84% der Unternehmen der Nahrungs- und Genussmittelindustrie wird die derzeitige Geschäftslage als durchschnittlich beurteilt. 11% empfindet sie als gut und 5% der Unternehmen bewertet sie aktuell als schlecht. Auffallend ist die Bewertung des Beschäftigtenstandes in sechs Monaten. Alle befragten Unternehmen wollen den Personalstand halten. Auch die Geschäftslage in sechs Monaten wird von allen als gleichbleibend beurteilt. 27% gehen von einer steigenden Produktionstätigkeit aus, kein Unternehmen erwartet hier einen Rückgang.

Textilindustrie
Ähnlich wie im Vorquartal wird die derzeitige Geschäftslage in der Textilindustrie gesehen. 89 % der Befragten halten sie für durchschnittlich, 3% für gut und 8 %für schlecht. Anders als in den anderen Branchen wird die Entwicklung der Verkaufspreise in drei Monaten gesehen. 8% rechnen mit einem Anstieg, kein Unternehmen erwartet fallende Verkaufspreise. „Die Textilbranche hat sich offenbar erfolgreich Nischen gesucht, die dem enormen Preisdruck weniger ausgesetzt sind als in früheren Zeiten“ erklärt, MMag. Mathias Burtscher, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Vorarlberg. Unverändert sind die Aussichten auf die Geschäftslage in sechs Monaten. Kein Unternehmen rechnet mit einer ungünstigeren Geschäftslage in einem halben Jahr.

Elektro-/Elektronikindustrie
Weiter verbessert hat sich die Lage in der Elektro-/Elektronikindustrie. Für 50% ist die aktuelle Geschäftslage eine gute, kein Unternehmen beurteilt sie als schlecht. Der Saldowert hat sich gegenüber dem 3. Quartal 2012 von +5%-Punkte auf +50%-Punkte verbessert. An dieser positiv gesehenen Situation sollte sich auch in den nächsten sechs Monaten nichts ändern. Besonders erfreulich ist der Bestand an Auslandsaufträgen. 50% bewerten sie gut und nur 9% für schlecht. „Seit der letzten Umfrage haben sich insgesamt sechs von zehn untersuchten Indikatoren positiv entwickelt, was für eine Aufwärtstendenz der Elektro-/Elektronikindustrie spricht“, so Mathias Burtscher. Pessimistisch aber auch hier der Ausblick auf die Verkaufspreise. 65 % rechnen in den nächsten drei Monaten mit sinkenden und kein Unternehmen mit steigenden Preisen.

Schlussfolgerungen und Forderungen:

Effizienzsteigerungen im öffentlichen Bereich
„Die Industrie in Vorarlberg ist ein wesentlicher Garant für eine gut bezahlte und stabile Beschäftigung, das Schaffen von Kaufkraft, Ausbildung und Wohlstand in der Region. Damit dies so bleibt muss es unser Ziel sein, die staatliche Abgabenquote zu senken und den Faktor Arbeit spürbar zu entlasten. Der Steuerzahler zahlt nicht zu wenig, sondern das öffentliche System ist zu wenig effizient“, erklärt DI Christoph Hinteregger, Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Statt in einer Endlosschleife die Steuerschraube nach oben zu drehen, müssen jetzt endlich echte Strukturreformen umgesetzt werden. Vorschläge gäbe es genug, jetzt müssen die politisch Verantwortlichen auch konsequent und ohne dogmatische Scheuklappen handeln.

Rasche Modernisierung des Bildungssystems
Mit dem Bildungspaket hat die Wirtschaftskammer Vorarlberg einen entscheidenden Schritt für eine Reform im Bildungsbereich gesetzt, der auch von der Industriellenvereinigung voll unterstützt wird. Die gemeinsame Schule der 10 – 14-Jährigen, der flächendeckende Ausbau von qualitativ hochwertigen Ganztagsangeboten mit verschränktem  Unterricht in Vorarlbergs Schulen, oder etwa die verstärkte Berufsorientierung an den AHS sind nur ein paar Beispiele wie das derzeitige Bildungssystem rasch an die heutigen Erfordernisse angepasst gehört.

Noch immer entscheiden sich viele Jugendliche nicht für die Ausbildung, die ihren Talenten und Neigungen entspricht. Eltern und Schüler/innen werden - vor allem an den AHS - vielfach zu wenig auf die Entscheidung über ihren weiteren Bildungsweg vorbereitet – suboptimale Bildungsentscheidungen, die sich stärker an der Umgebung oder dem Schulangebot in nächster Umgebung orientieren, sind die Folge.
Das Wissen um die eigenen Interessen und Stärken sowie die Vielfalt der beruflichen Möglichkeiten in unserer modernen Arbeitswelt sind aber zentrale Voraus¬setzungen für sinnvolle Berufs- und Bildungswahlentscheidungen.

Umfassende Berufsorientierung und Berufsinformation in Form eines Pflichtgegenstands sollen Jugendliche in allen Schulformen, vor allem jedoch künftig auch in den AHS, ab der 7. Schulstufe gezielt auf die Entscheidung über ihre weitere Laufbahn vorbereiten.

Demografische Entwicklung – Herausforderung für die Lehrlingsausbildung
Die demographische Entwicklung setzt auch der Lehrlingsausbildung hart zu. „Wir müssen davon ausgehen, auch wenn wir die Lehrlingsquote in Vorarlberg bei etwa 50% konstant halten können, dass ab dem Jahr 2015 18% weniger Lehrlinge eine duale Ausbildung beginnen werden“, warnt Spartenobmann Hinteregger. Die Industrie konnte 2012 ihre Lehrlingszahlen noch als einzige Sparte in Vorarlberg erhöhen (+1,1% Lehrlinge im 1. Lehrjahr, auf nun insgesamt über alle Lehrjahre 1.439 Jugendliche).

Oberstes Ziel ist es, den jungen Menschen eine hochwertige, ihren Interessen, Eignungen und Neigungen entsprechende Ausbildung anzubieten. Je höher die Qualität der Ausbildung ist, desto mehr Facharbeiter stehen auch dem Wirtschaftsstandort Vorarlberg zur Verfügung. Die duale Ausbildung in unserem Land ist außerdem eine Chance, die Jugendlichen in die regionalen und sozialen Strukturen einzubinden. „Es wird notwendig sein, interessante Zielgruppen (vor allem Mädchen und Migranten) künftig noch stärker anzusprechen und für eine Lehrlingsaus-bildung zu begeistern“, so Christoph Hinteregger abschließend.

(*) Der Geschäftsklimaindex ist der Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten.

Zur Umfragemethode: Bei der Konjunkturumfrage werden den Unternehmen – ähnlich wie beim deutschen IFO-Konjunkturklimaindex – drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral, negativ. Aus den Antworten werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien errechnet. Unter Vernachlässigung der neutralen Antworten wird aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten der konjunktursensible „Saldo“ gebildet.

    Wirtschaftskammer Vorarlberg - Sparte Industrie

    Wichnergasse 9, 6800 Feldkirch
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