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Mathias Burtscher

Vorarlberger Industrie kämpft sich hoch, Druck auf Arbeitsmarkt und Verkaufspreise steigt

18. Oktober 2013 | 11:11 Autor: IV Vorarlberg Vorarlberg

Lustenau/Feldkirch (A) IV-Vbg-GF Burtscher: „Die heimische Industrie verzeichnet weiter eine vorsichtige Aufwärtstendenz und gibt die Marschrichtung für Gesamtösterreich vor. Zurückhaltende Erwartungen, weniger Beschäftigungsaufbau und der Druck auf die Verkaufspreise trüben aber den Optimismus. Die Politik ist gerade jetzt aufgefordert, den Aufwärtstrend zu verstärken und nicht Hindernisse aufzubauen.“
 
An der Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Vorarlberg und der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Vorarlberg zum dritten Quartal 2013 haben sich 44 Unternehmen mit insgesamt 20.624 Beschäftigten beteiligt.
 
Der Geschäftsklimaindex – das ist der Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten – hat sich im dritten Quartal dieses Jahres von 20,9 auf 28,3 Prozentpunkte verbessert. Österreichweit ist Vorarlberg damit aktuell das Bundesland mit der optimistischsten Konjunkturentwicklung. Die allgemeine Geschäftslage in den heimischen Industrieunternehmen hat sich im Vergleich zum letzten Quartal auf einen Saldo zwischen guter und schlechter Geschäftslage von +55 % erhöht. Auftragsbestände und Auslandsaufträge haben sich ebenfalls auf einem guten Niveau von über +50 % eingependelt.
 
Getrübt werden die Aussichten mit Blick auf die erwartete Geschäftslage in einem halben Jahr. Im Vergleich zum schon bescheidenen letzten Quartal werden keine Verbesserungen erwartet (Saldo von Positiv- und Negativmeldungen unverändert bei +2 %). Auffallend ist auch, dass trotz guter derzeitiger Geschäftslage weniger Aufstockungen des Mitarbeiterstandes in den Vorarlberger Industriebetrieben geplant sind. Während bei der letzten Konjunkturumfrage noch 32 % ihren Mitarbeiterstand steigern wollten, sind es in der aktuellen Umfrage nur noch 14 %. Ebenfalls deutlich zu spüren bekommen die Vorarlberger Unternehmen den stärkeren Druck bei den Verkaufspreisen. Über ein Drittel der befragten Unternehmen aus allen Branchen rechnet mit fallenden Verkaufspreisen in den nächsten drei Monaten, was sich auch in einer vorsichtigen Einschätzung der Entwicklung der Ertragssituation spiegelt.
 
Prioritäten: Beschäftigung & Wettbewerbsfähigkeit
„Es ist erfreulich, dass sich die heimischen Industrieunternehmen mit ihren Mitarbeitern von der nach wie vor unsicheren und schwächelnden Konjunktur abheben. Wir verzeichnen weiter einen vorsichtigen Aufwärtstrend“, so IV-GF Mathias Burtscher. Die zurückhaltenderen Signale bei den Erwartungen am Arbeitsmarkt oder den Verkaufspreisen seien aber nicht zu übersehen. Gerade die Politik sei jetzt gefordert, ihre Wahlversprechen für mehr Arbeitsplätze und eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit einzulösen. „Für mehr Beschäftigung und mehr Wettbewerbsfähigkeit brauchen wir eine deutliche Entlastung des Faktors Arbeit, ohne gleichzeitig neue Steuern zu erfinden, eine Entrümpelung zahlreicher bürokratischer Vorschriften und einen modernen, schlanken Staat. Vorarlbergs Industrie misst sich global und orientiert sich an den Besten. Die österreichische Politik sollte sich ebenfalls internationale Beispiele zum Vorbild nehmen und strukturelle Reformen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Steuern und in der Verwaltung umsetzen. So würde sie der Wirtschaft und vor allem den Menschen den besten Dienst erweisen“, so Burtscher.
 
Ergebnisse ausgewählter Branchen
Relativ stabil zeigt sich nach wie vor die Maschinen- und Metallindustrie. Je rund 70 % sprechen von einer guten Geschäftslage bei guten Auftragsbeständen und Auslandsaufträgen. Trotzdem ist nicht zu übersehen, dass sich sowohl Auftragsbestand, Auslandsaufträge und die Aussicht bei Verkaufspreisen und Beschäftigtenstand schlechter darstellen als bei der letzten Befragung. Der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen beim Beschäftigtenstand in drei Monaten fällt von +51 % auf +7 %.
 
In der Nahrungs- und Genussmittelindustrie spricht die Hälfte der Befragten von einer guten, die andere Hälfte von einer gleichbleibenden Geschäftslage. Alle befragten Unternehmen rechnen mit einer gleichbleibenden Geschäftslage in sechs Monaten. Negativ bemerkbar macht sich auch in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie der starke Preisdruck und damit eine sinkende Ertragssituation in sechs Monaten. Je 36 % gehen von einem negativen Trend aus.
 
Positive und negative Signale kommen aus der Textilindustrie. Geschäftslage, Auftragsbestände und Auslandsaufträge werden von rund 40 % besser wie zuletzt eingeschätzt. Die derzeitige Ertragssituation wird allerdings von knapp 40 % der Befragten als schlecht beurteilt. Für das nächste halbe Jahr rechnen knapp 40 % mit steigenden Erträgen.
 
Konstant zeigt sich die Elektro- und Elektronikindustrie mit Verbesserungen bei der aktuellen Geschäftslage, den aktuellen Auftragsbeständen und den Auslandsaufträgen. Die Verkaufspreise in drei Monaten zeigen sich ebenso wie der Ausblick auf die Erträge in sechs Monaten relativ konstant. Positiv ist in dieser Branche auch, dass knapp 30 % der Befragten angeben, in den nächsten drei Monaten zusätzliche Mitarbeiter einstellen zu wollen.

Die Umfragemethode:
Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten gegeben: gut, durchschnittlich, schlecht.
Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, und dann wird die konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.

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