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v.l.: IM-Stv. Karl Grabher, IM Peter Keckeis, Bau-Geschäftsführer Thomas Peter, IM-Stv. Alexander Stroppa.

Vorarlberger Bauwirtschaft verzeichnet erfreuliches Ergebnis für das Jahr 2015

17. Dezember 2015 | 13:47 Autor: WKV Startseite, Vorarlberg

Feldkirch (A) Für das Jahr 2015 können die heimischen Bauunternehmen zufrieden Bilanz ziehen. Nach einem durchwachsenen Frühjahr, einem heißen Sommer und einem warmen, trockenen Herbst zeichnet sich bis Ende 2015 ein gesundes Plus ab, erklärt Innungsmeister Peter Keckeis.

„Aufgrund der aktuellen Umfragewerte der Bauproduktion sind wir im Vergleich zum Vorjahr auf einem hohen Niveau stabil. Wir hoffen, dass wir dieses Niveau halten können“, so Keckeis. Laut aktueller Blitzumfrage sind die Erwartungen der Unternehmer für das erste Halbjahr 2016 insgesamt positiv (plus 4,81%). Im öffentlichen Tiefbau (minus 5,96%) sowie im öffentlichen Hochbau (minus 1,73%) hält sich ein leicht negativer Trend. Der Bereich Industrie- und Gewerbebau (plus 4,42%) schaffte hingegen den Sprung in eine positive Prognose. Der Konjunkturträger im Baugewerbe wird aber auch 2016 weiterhin der Wohnbau bleiben, der durchwegs positiv (plus 8,08%) eingeschätzt wird. Dieses Plus konnte im Verglich zum Vorjahr sogar von plus 5,37 Prozent auf plus 8,08 Prozent gesteigert werden. Peter Keckeis sieht den Grund dafür im ständig steigenden Bedarf im Bereich Wohnbau. „Aktuell stellen uns die Flüchtlingssituation und die damit verbundene, verstärkte Suche nach Wohnraum vor wachsende Herausforderungen. Darauf müssen wir mit nachhaltigen Konzepten reagieren.“

Gute Auslastung bis Jahresende
Insgesamt schätzen die Vorarlberger Bauunternehmer die aktuelle Auftragslage um 7,88 Prozent höher ein als im November des Vorjahres. Bis zum Jahresende sind die Unternehmen im Land somit gut ausgelastet. Innungsmeister Peter Keckeis bestätigt diesen Trend nach Gesprächen mit Bauunternehmern in ganz Vorarlberg: „Die Ausschreibungen sowie die Auftragslage befinden sich aktuell auf einem guten Niveau – vor allem durch den Wohnbau, der nach wie vor den Träger der Baukonjunktur darstellt. Die schwierigen gesetzlichen Rahmenbedingungen lassen aber befürchten, dass es längerfristig zu einer Abflachung der Baukonjunktur kommt. Bauen wird tendenziell immer noch komplizierter und somit auch teurer. Das können sich die Menschen auf Dauer nicht leisten.“

Wohnbau setzt landesweit Impulse
Für das Jahr 2016 sehen die Bauunternehmer weiterhin den Wohnbau als wichtigen Impulsgeber für die Konjunktur. Die Unternehmen hoffen auf ein Plus von 8,08 Prozent. Einer der Gründe dafür ist die „Wohnbauförderung neu“, die seit April 2014 gilt, sowie das Ziel der Politik, in den nächsten Jahren vermehrt leistbaren Wohnraum zu schaffen. Aber auch der private Wohnbausektor boomt. Den ausschlaggebenden Grund dafür sieht Karl Grabher im stetigen Bevölkerungswachstum. „In Vorarlberg steigt die Einwohnerzahl jährlich um etwa 3.000 Menschen. Dieser wachsenden Nachfrage nach Wohnraum müssen wir nachkommen. Essen, Trinken und Wohnen zählen schließlich zu den Grundbedürfnissen jedes Menschen. Tatsächlich sind derzeit auch viele gemeinnützige und private Wohnanlagen ausgeschrieben“, erklärt Karl Grabher, in der Bauinnung für den Wohnbau zuständig. Er warnt allerdings vor zu viel Optimismus, da die Steuergesetze der Regierung sowie die Vorschläge zum Thema Mietrecht zusätzlich enorme Belastungen für den Wohnungsmarkt bedeuten werden.

Nachhaltiges Bauen für Generationen
Um auch in Zukunft sicherstellen zu können, dass die steigende Nachfrage nach Wohnraum bedient werden kann, sollten rasch entscheidende Maßnahmen getroffen werden, fordert Karl Grabher: „Der Baugrund in Vorarlberg ist teuer und wird langsam aber sicher knapp. In ein paar Jahren wird es kaum noch Baugründe geben. Hier sollte dringend ein Umdenken stattfinden. Wir müssen anfangen, den vorhandenen Boden besser zu nutzen und nachhaltig Wohnraum für Generationen zu schaffen, indem wir verdichteter bauen. Dazu muss allerdings die Baunutzungszahl dringend erhöht werden. Hier sind alle Bürgermeister aufgefordert, höhere Baunutzungszahlen in ihren Gemeinden zuzulassen – zum Wohl der Bevölkerung und im Sinner der Nachhaltigkeit.“

Vorsichtige Einschätzung im öffentlichen Hoch- und Tiefbau
Die Prognosen in den Bereichen öffentlicher Hochbau (minus 1,73%) und öffentlicher Tiefbau (minus 5,96%) sind im Gegensatz zum Wohnbau eher verhalten. Alexander Stroppa verantwortet diesen Bereich in der Bauinnung und kennt die Gründe dafür: „Bund, Land und Gemeinden kämpfen zunehmend mit knappen Budgets und die aktuelle politische Lage in Österreich und Europa ist angespannt. In Vorarlberg werden derzeit noch einige große Projekte im öffentlichen Bereich realisiert, die Prognosen für 2016 zeigen, dass die heimischen Unternehmer keine großen Erwartungen an die öffentliche Hand haben“, so Stroppa. Aktuell werden in Vorarlberg sowohl im Tiefbau mit verschiedenen Straßenbauprojekten als auch im Hochbau einige Großprojekte wie das Krankenhaus Feldkirch realisiert.

Vorarlberger Wirtschaft zeigt sich investitionsfreudig
Eine erfreuliche Entwicklung ist dagegen bei den heimischen Industrie- und Gewerbebetrieben festzustellen. Während die gesamtösterreichischen Wirtschaftsdaten der deutschen Konjunktur hinterherhinken, stehen in Vorarlberg die Zeichen auf Wachstum. Alexander Stroppa: Wir haben in Vorarlberg einen Gegentrend zur österreichischen Wirtschaftsentwicklung, der sich in einer aktiven Bautätigkeit zeigt. Derzeit erleben wir eine gesteigerte Investitionsbereitschaft der heimischen Industrie und Gewerbebetriebe.“ Große Bauprojekte der Privatwirtschaft in Vorarlberg findet man derzeit und im kommenden Jahr zum Beispiel bei Doppelmayr in Wolfurt, Blum in Bregenz, Getzner in Bludenz, Meusburger in Lingenau, Rondo in Frastanz und Rauch in Nüziders.

Folgen der Bürokratie: Leistbares Bauen wird immer schwieriger
Die täglich steigende Zahl an Normen stellt ein Problem dar, mit dem sich die Bauinnung schon seit langem beschäftigt – ein Ende ist derzeit aber nicht in Sicht: „Die zunehmende Normenflut, mit der wir jeden Tag konfrontiert sind, nimmt Ausmaße an, die nicht mehr länger tragbar sind“, warnt Innungsmeister Peter Keckeis „Für die Bauherren steigen dadurch die Preise und für uns als Bauunternehmer ist es mittlerweile unmöglich, den Überblick zu bewahren. Hier muss sich dringend etwas ändern.“ Beispiele dafür kennt Keckeis genug: „Heuer wurde die Volksschule in Röthis saniert. Im Zuge dieses Umbaus musste ein schönes schmiedeeisernes Geländer mit Blech verkleidet werden, da der Abstand der Gitterstäbe nicht den neuesten Sicherheits-Standards entspricht. 100 Jahre lang ist nichts passiert und trotzdem müssen diese Maßnahmen getroffen werden. Das macht in meinen Augen keinen Sinn. Deshalb fordere ich die Politik auf, in diesem Bereich endlich zu handeln. Die überbordende Bürokratie belastet nicht nur die Bauunternehmer, sondern vor allem die Menschen, die Wohnraum benötigen oder schaffen.“

Kompliment ans Land – Vorarlberger Bautechnikverordnung kommt
Zufrieden zeigt sich Keckeis mit dem Land Vorarlberg in puncto Bautechnikverordnung. „Die Umsetzung einer auf Vorarlberger Verhältnisse zugeschnittenen Bautechnikverordnung ist derzeit im Gange und ich rechne damit, dass bis spätestens Mitte 2016 – basierend auf den OIB-Richtlinien mit Alternativen auf Vorarlberger Verhältnisse abgestimmt – die neue Bautechnikverordnung in Vorarlberg gültig wird. Diese soll klare und vernünftige Rahmenbedingungen für das Bauen in unserem Land gewährleisten“, so Innungsmeister Keckeis.

Baukonjunktur-Entwicklung in Vorarlberg 2015
(Blitzumfrage unter Vorarlbergs Bauunternehmen, durchgeführt von der Vorarlberger Bauinnung im November 2015)

Einschätzungen der Vorarlberger Baubranche:
Aktuelle Auftragssituation im Vergleich zum November 2014: +7,88% (Vorjahr +8,52 %)

Auftragssituation erstes Halbjahr 2016 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015:
Allgemein: +4,81 % (Vorjahr +6,48%)
Wohnbau: +8,08% (Vorjahr +5,37%)
Gewerbe und Industrie: +4,42% (Vorjahr -2,41%)
Öffentlicher Hochbau: -1,73% (Vorjahr -2,04%)
Öffentlicher Tiefbau: -5,96% (Vorjahr -11,35%)
Sanierungen: +4,81% (Vorjahr +1,15%)

Factbox Vorarlberger Bauwirtschaft:
Umsatz/Bauproduktionswert 2013: 553 Mio. Euro   
Umsatz/Bauproduktionswert 2014: 628 Mio. Euro    
Umsatz/Bauproduktionswert 2015 (prognostiziert): 629 Mio. Euro
Mitarbeiter: 4100 davon 200 Lehrlinge
Beschäftigte inkl. nachgelagerte Sparten: 12.000

  • Der 50-Millionen-Euro-Neubau von Doppelmayr in Wolfurt liegt im Zeitplan. (Fotos: Bauinnung Vorarlberg)
    uploads/pics/C103368_Doppelmayr_Wolfurt.jpg

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