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marie-Initiator Patrick Fürnschuß

Straßenzeitung marie – „Ein Beitrag zum gelingenden Zusammenleben in Vorarlberg.“

11. Jänner 2016 | 08:55 Autor: Gutwärts Vorarlberg

Seit dem vergangenen Dezember hat auch Vorarlberg seine eigene Straßenzeitung. marie ist der Name des monatlich erscheinenden Printmediums, das Menschen am Rand unserer Gesellschaft Stimme, Sichtbarkeit und Chance sein will. Wir unterhielten uns mit Patrick Fürnschuß, einem der marie-Initiatoren. 

Die Startausgabe der marie ist geschafft. Das erste Resümee?

Die marie ist gut angekommen im Land. Sowohl marie als auch ihre Verkäufer wurden warmherzig und wohlwollend aufgenommen. Das ist schön und dafür sind wir dankbar. Als unser Vertriebschef einen Tag vor Weihnachten verkündete, dass wir ausverkauft sind, war das für uns alle das schönste Geschenk. Vorarlbergerinnen und Vorarlberger kauften bedürftigen Menschen in knapp zwei Wochen 10.000 Straßenzeitungen ab, unglaublich. Das war wirklich nicht zu erwarten und ist einfach nur großartig. Aber natürlich gibt es auch noch Verbesserungspotenzial.

Zum Beispiel?
Gerade im Vertrieb lief es am Anfang alles andere als geschmiert. Wir kamen nicht gleich an die verkaufenden Menschen ran und es gab auch rechtliche Bedenken. Als es dann innert zwei, drei Tagen von null auf hundert explodierte waren wir wiederum darauf nicht vorbereitet und es lief einiges doch etwas chaotisch ab. Da hat dann unser Vertriebspartner der ersten Stunde, die Kaplan Bonetti Sozialwerke, auch einiges abbekommen. Nicht nur darum gilt dem Bonetti-Team ein ganz besonderes Dankeschön.

Apropos Partner. Wer steht hinter der marie, wer steht ihr zur Seite?
Begründet wurde die Straßenzeitung von einer Privatinitiative, die sich mittlerweile in einem Verein zur Förderung einer Vorarlberger Straßenzeitung organisiert hat. Namhafte soziale Institutionen des Landes, allen voran die Bonetti Sozialwerke, das IfS, die Caritas, DOWAS oder auch das Kinderdorf und Integra haben marie von Beginn weg begrüßt und unterstützt. Ihre Vertreter sind auch die ersten Mitglieder des ins Leben gerufenen marie-Beirats. Unterstützung haben wir außerdem von der Diözese Feldkirch, aber auch von Privatpersonen und Vorarlberger Unternehmen erfahren. Letzteren gefällt neben der Möglichkeit des sozialen Beitrags und der Werbung vor allem auch der unternehmerische Ansatz des Projekts.

Wie ist das zu verstehen?
Jeder unserer Verkäufer wird ja zum kleinen Unternehmer. Von uns bekommt er quasi als Startgeld 15 Straßenzeitungen geschenkt. Mit dem Erlös – der Verkaufspreis einer marie liegt bei 2,50 Euro – kauft er dann bei uns um 1,25 pro Stück neue Exemplare ein, die er wiederum um 2,50 verkauft. Das ist ein unternehmerischer Aspekt. Der andere liegt in der Herausforderung des Verkaufsakts an sich. Klar, dass freundliche, zugewandte und doch respektvoll höfliche Verkäufer am besten ankommen. Und jene, die es schaffen Beziehungen und eine „Stammkundschaft“ aufzubauen, denen kann die marie eine echte Perspektive eröffnen.

Wer sind die Verkäufer und werden sie im Verkauf unterstützt?
Es sind Vorarlbergerinnen und Vorarlberger, die am Existenzminimum leben, Flüchtlinge und auch Notreisende. Diese Vielfalt gefällt uns. Wichtig ist uns, dass die mit einem Ausweis ausgestatteten und damit legitimierten Verkäuferinnen und Verkäufer unsere Regeln einhalten. Kein Betteln, kein Alkohol, kein aggressiver Verkauf. Da müssen wir auch hinschauen und begleiten. Außerdem möchten wir, dass ein Großteil der Wertschöpfung – sozial und materiell – im Land bleibt, also vor allem Menschen mit Wohnsitz in Vorarlberg die marie verkaufen.

Gibt es eine Blattlinie?
Inhaltlich wollen wir gesellschaftlich relevante Themen – auch solche die keine Lobby haben – aufgreifen und journalistisch anspruchsvoll aufbereiten. Den Blick auf und auch hinter die Ränder unserer Gesellschaft werfen. Keine Tabus, aber auch kein Bashing. marie will verbinden, will Kommunikation und damit Information und Vertrauen stiften. Ein Merkmal funktionierender Solidargesellschaft ist Vielfalt und dass diese in einem wertschätzenden öffentlichen Diskurs miteinander verbunden ist. Dazu und damit zum gelingenden Leben und Zusammenleben in diesem Land will marie einen Beitrag leisten. Das bestimmt neben der Unabhängigkeit und Offenheit der Zeitung unsere Blattlinie.

Was wünschen Sie sich für 2016?
Für die Welt wünsche ich mir, dass wir menschliche Lösungen finden für die Herausforderungen unserer Zeit und dass Werte über Interessen stehen werden. Für die marie wünsche ich mir, dass sie in diesem Jahr noch mehr Freunde und Partner und damit verbunden eine tragfähige Struktur für ein langes Zeitungsleben findet. Nicht nur unsere Verkäufer brauchen eine marie, auch Vorarlberg braucht sie.

  • Cover der neusten Ausgabe
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Verein zur Förderung der Straßenzeitung in Vorarlberg

In Knorra 1, 6833 Klaus
Österreich

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