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AK-Präsident Hubert Hämmerle

Leitl-Vorstoß torpediert das Facharbeiter-Image - AK-Präsident Hämmerle: „Neues Konzept für Lehre geht in falsche Richtung“

16. Juni 2011 | 12:13 Autor: AK-Vorarlberg Vorarlberg

Nichts abgewinnen kann AK-Präsident Hubert Hämmerle dem neuen Bildungskonzept der Wirtschaftskammer für die Lehre: „Nach den leider erfolgreichen Bemühungen der letzten Jahre auf Bundesebene, die Lehre zu beschädigen, stehen wir vor einem wahnsinnigen Schwund an betrieblichen Lehrstellen. Und mit dem von Leitl präsentierten Konzept wird den jungen Lehrabsolventen vermittelt, dass sie als Facharbeiter eigentlich nichts sind, sondern zusätzliche schulische Ausbildungen machen müssen, dass sie was werden“, ärgert sich Hämmerle. Zudem: Können Jugendliche künftig in der Oberstufe mit drei Fünfern aufsteigen, werden weitere Jugendliche, die sich bislang noch für eine Lehre entschieden haben, abgesaugt.

Die Situation ist wirklich bedrohlich: „Die Arbeitsmarktöffnung hat, wie wir es immer gesagt haben, keine Entspannung beim Facharbeitermangel gebracht. Durch das Herumgemurkse auf Bundesebene  – Stichwort: Lehrlingskündigung – haben wir heute rund 7000 betriebliche Lehrstellen weniger“, erklärt Hämmerle. Können künftig Schüler in Oberstufen auch mit drei „Nicht genügend“ aufsteigen, werde das weitere potenzielle Lehranwärter dazu veranlassen, den schulischen Weg einzuschlagen. Die Demografie tue ein Übriges, denn künftig stehen pro Jahr rund 3000 Jugendliche weniger zur Verfügung.

„Zu guter Letzt kommt jetzt auch noch die Wirtschaftskammer mit einem neuen Bildungskonzept für die Lehre, welches das Facharbeiter-Image weiter torpediert und in die völlig falsche Richtung geht.“ Dieses sieht nämlich eine Dreiteilung in eine „Duale höhere Ausbildung“, eine „Duale mittlere Ausbildung“ (die der jetzigen Lehre entspricht) und eine „Duale Basisausbildung“ vor. Jugendlichen werde dabei vermittelt, dass die Ausbildung als Facharbeiter eigentlich nicht genügt und wenig wert ist. Nur wer schulische Zusatzausbildungen mache, der ist wirklich wer.  „Das kann doch nicht der Weisheit letzter Schluss sein“, argumentiert der AK-Präsident. Unsere Betriebe brauchen vor allem Facharbeiterinnen und Facharbeiter, die produktiv arbeiten. „Was nützt es, wenn jemand in fünf Sprachen erklären kann, warum eine Maschine nicht läuft, wenn es niemanden mit Umsetzungskompetenz gibt, der sie wieder zum Laufen bringt?“, fragt der AK-Präsident zu Recht.

Wenn dann von Wirtschaftskammerseite noch damit argumentiert wird, dass das neue Konzept für mehr Qualität in der dualen Ausbildung sorge, schrillen bei Hämmerle die Alarmglocken: „Da soll mir der Herr Präsident Leitl einmal erklären, wie das funktionieren soll, nachdem zuletzt sogar der Qualitätsbonus, also die Überprüfung des Lernerfolgs zur Mitte der Lehrzeit, abgeschafft worden ist.“ Die Haltung zeige aber deutlich, dass diese Leute den Kontakt zur Basis in den Betrieben vollkommen verloren haben. „Das ist fast so, als ob jemand, der noch nie auf Skiern gestanden hat, den Nachtslalom in Schladming setzen wollte und auch noch überzeugt ist, er könne das“, so Hämmerle abschließend.

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