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Vorarlberger Unterstützer des Volksbegehrens Bildungsinitiative

Für ein gerechtes und effizientes Bildungssystem - Breite Vorarlberger Unterstützung für Bildungsvolksbegehren

07. November 2011 | 08:38 Autor: Industriellenvereinigung Vorarlberg Vorarlberg

Lustenau (A) Zur Sicherung der Chancengleichheit und Wettbewerbsfähigkeit muss das österreichische Schul- und Bildungssystem den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts angepasst werden. Darüber sind sich Interessenvertreter von Industrie, Arbeitnehmern, Lehrern, Eltern und zahlreicher NGO’s im Lande einig. Gemeinsam appellieren sie an die Vorarlberger Bevölkerung, das Bildungsvolksbegehren „Österreich darf nicht sitzenbleiben!“ aktiv zu unterstützen.

Das Bildungsvolksbegehren, das noch bis zum 10. November in den Gemeindeämtern zur Unterschrift aufliegt, wird in Vorarlberg von einem breiten Bündnis mitgetragen. „Wir wollen über Parteigrenzen hinweg eine möglichst große Beteiligung am Volksbegehren erreichen“, so das gemeinsame Ziel der zahlreichen Unterstützerorganisationen im Lande. Denn nur so könne der Druck auf die politischen Entscheidungsträger vor allem auf Bundesebene erhöht und der Stillstand und die Reformträgheit im Bildungsbereich überwunden werden.

Industriellenvereinigung - Reformen notwendig!
„Wir haben in Österreich unbestritten einen bildungspolitischen Handlungsbedarf“, erklärt Mathias Burtscher, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung in Vorarlberg. Er verweist dabei auf die schlechten Pisa-Ergebnisse und die Defizite der SchülerInnen in Fächern wie Deutsch, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Auch die Universitäten seien „mit großen Herausforderungen und finanziellen Problemen konfrontiert“, was vor allem auf den ungeregelten Zugang sowie die fehlende Möglichkeit, Studiengebühren einzuheben, zurückzuführen sei. Eine weitere Belastung gerade in Zeiten des Facharbeitermangels stelle für die Unternehmen auch das stetig sinkende Niveau der Lehrstellenkandidatinnen und –kandidaten dar, so Burtscher.

Für den IV-Geschäftsführer ist daher klar: „Unser Bildungssystem muss dringend reformiert werden.“ Dies sei wichtig für die Zukunft der Kinder, die Innovationsfähigkeit und den Industrie- und Arbeitsstandort Österreich. Die Industrie stehe daher hinter dem Bildungsvolksbegehren, um Bewegung in das Schulsystem zu bringen und eine ernsthafte Diskussion auszulösen“. Burtscher appelliert an die Bevölkerung „aufzustehen, hinzugehen und zu unterschreiben“. Nur so könne der Bundespolitik die Dringlichkeit von Maßnahmen vor Augen geführt werden.

ÖGB - Schutz vor Arbeitslosigkeit
„Die Politik muss dafür Sorge tragen, dass alle Kinder die gleichen Bildungschancen erhalten" - so begründet ÖGB-Landesgeschäftsführerin Manuela Auer ihre Unterstützung des Bildungsvolksbegehrens. Ganz wichtig ist für Auer „eine Schule, die die Kinder nicht schon mit zehn Jahren trennt und in der es Förderung statt Sitzenbleiben gibt“. Ein großes Anliegen der ArbeitnehmerInnen sei auch ein gutes, flächendeckendes Angebot an qualifizierter Kinderbetreuung.

Dazu müssten die Investitionen in die Bildung erheblich verstärkt werden. Das komme nicht nur dem Wirtschaftsstandort, sondern vor allem den arbeitenden Menschen zu Gute. Eine gute Ausbildung würde nicht nur höhere Einkommen ermöglichen, sondern auch vor Arbeitslosigkeit besser schützen, so Auer. Sie appelliert daher an die VorarlbergerInnen, das Bildungsvolksbegehren zu unterzeichnen.

ARGE Gemeinsame Schule – strukturelle Veränderungen vorantreiben
Die ARGE Gemeinsame Schule, ein Zusammenschluss von Lehrervertretern, Elternorganisationen und reformpädagogischen Initiativen, sieht im Bildungsvolksbegehren eine Möglichkeit, die verkrusteten Strukturen im Bildungswesen aufzubrechen. Vor allem gehe es darum, sicherzustellen, „dass die Schule für alle Kinder und Jugendlichen da ist, unabhängig von ihrer Herkunft und ihren Begabungen“, betont der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, Armin Roßbacher.

Angesichts des jahrzehntelangen Stillstands in der Bildungspolitik seien grundlegende Veränderungen im Bildungswesen „unumgänglich und dringend notwendig“, argumentieren die Mitglieder der ARGE. Zu ihren wichtigsten Forderungen gehören:
- die ganztägige und gemeinsame Schule für alle Kinder und Jugendlichen von 6 bis 15 Jahren,
- mehr individuelle Förderung, die es den SchülerInnen ermöglicht, soziale und emotionale Erfahrungen sowie Kompetenzen für den Alltag zu erwerben,
- eine neue Lernkultur, die auf Methodenvielfalt aufbaut und individuelles und handlungsorientiertes Lernen ermöglicht,
- alternative Zeugnisformen und die Abschaffung der Ziffernnoten und des „Sitzenbleibens“,
- die Schaffung von Rahmenbedingungen, die eine engere Zusammenarbeit der Schulen mit Gemeinden, sozialen Einrichtungen, Betrieben und Vereinen ermöglicht.

Caritas - Armutsgefahr beseitigen
„Das österreichische Schulsystem ist derzeit wenig geeignet, Kindern aus bildungsfernen Familien gerechte Bildungschancen zu geben“, stellt Andrea Kramer, Sozialexpertin der Caritas in Vorarlberg, fest. Alleine die Ausgaben der Familien für externe Nachhilfe - 2010 waren es 5,5 Mio. Euro – würden deutlich zeigen, dass das Bildungssystem nachhaltig reformiert werden müsse.

Vorarlberg liege bei den Ausgaben für Nachhilfe im Bundesländervergleich mit 718 Euro pro Haushalt an 2. Stelle. Überdurchschnittlich hoch sei im Lande darüber hinaus auch die Zahl der Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache in Sonderpädagogischen Zentren. Für die Kinder- und Jugendlichen sei dies ein „enorm schlechter und schwieriger Start ins Berufsleben“, so Kramer.

Die großen Verlierer des österreichischen Bildungssystems seien jene, die aus Familien kommen, in denen Bildung keinen hohen Stellenwert habe und/oder die finanziell nicht in der Lage seien, die Mängel des Bildungssystems durch externe oder familieninterne Nachhilfe auszugleichen. Andrea Kramer: „Armutsbekämpfung beginnt bei der Armutsprävention und diese wiederum bei der Bildung, deshalb ist die Bildungsreform der Caritas so wichtig. Daher unterstützen wir die Anliegen des Bildungsvolksbegehrens, das sich mit unserem Bildungspapier in den Eckpunkten deckt.“

Vorarlberger LehrerInneninitiative - Gemeinsame Ausbildung
Manfred Sparr, Vorsitzender der Vorarlberger LehrerInneninitiative, betont, dass eine weitgehende Reform des österreichischen Bildungssystems „seit nunmehr über 20 Jahren überfällig ist“. Die VLI unterstütze das Bildungsvolksbegehren, „weil sich in diesem viele unserer Forderungen wieder finden“. Dazu gehören u.a. die gemeinsame Schule, die Ganztagsschule und die universitäre Ausbildung aller PädagogInnen.

Landeselternverband - Freude am Lernen fördern
Auch der Landeselternverband Vorarlberg begrüßt die „Bildungsinitiative – Österreich darf nicht sitzen bleiben“. Diese beinhalte wesentliche Punkte, „die die Elternverbände seit Jahrzehnten fordern“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende, Andrea Wiedemann. Den Eltern sei es ein großes Anliegen, „die Rahmenbedingungen von Kindergarten und Schule so zu verändern, dass jedes einzelne unserer Kinder wirklich Freude am Lernen und Gemeinschaft finden kann“.

FACTBOX
Wann kann ich das Volksbegehren unterschreiben?
Die Eintragungswoche für das "Volksbegehren Bildungsinitiative"  findet zwischen Donnerstag,  3. November und  Donnerstag, 10. November 2011 statt.
Wo kann ich das Volksbegehren unterstützen?
Jede/r Stimmberechtigte/r kann das Volksbegehren in jenem Gemeindeamt unterschreiben, in dem er/sie in der Wählerevidenz eingetragen ist, also wo er/sie seinen/ihren Hauptwohnsitz hat.
Wer ist für das Volksbegehren stimmberechtigt?
Stimmberechtigt ist, wer am letzten Tag des Eintragungszeitraumes (10. November 2011) das 16. Lebensjahr vollendet hat und in einer Gemeinde des österreichischen Bundesgebiets, seinen/ihren Hauptwohnsitz hat.
Was muss ich mitbringen, um das Volksbegehren zu unterschreiben?
Einen amtlichen Lichtbildausweis.

    IV Industriellenvereinigung Vorarlberg

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    Österreich
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    [email protected]iv-net.at
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