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AK-Präsident Hubert Hämmerle

Berufe mit guten Beschäftigungsaussichten in Vorarlberg – Ein Ausblick bis 2017

22. Jänner 2014 | 11:48 Autor: AK Vorarlberg Vorarlberg

Feldkirch (A) Welche Berufe versprechen die besten Zukunftschancen? Wie entwickelt sich der Vorarlberger Arbeitsmarkt? In welchen Bereichen droht zunehmende Arbeitslosigkeit? Braucht es immer öfter ein Hochschulstudium, damit man ein entsprechendes Einkommen erzielen kann? Antworten auf diese Fragen liefert eine neue Studie, welche die AK Vorarlberg bei der Wiener Synthesis-Forschung in Auftrag gegeben hat.

Fazit: Es wird bis 2017 eine leichte Abnahme der Arbeitslosigkeit im Ländle geben. Karriere mit Lehre ist möglich – von den insgesamt 122 Zukunftsberufen setzen 82 eine Lehrausbildung voraus. Technische Berufe und Dienstleistungsberufe im Bereich IT nehmen neben kaufmännischen Berufen eine zentrale Stellung ein. „Ein Ergebnis, das uns insgesamt positiv stimmt“, sagt AK-Präsident Hubert Hämmerle, der aber gleich hinzufügt: „Es braucht die richtige Bildung und begleitende Maßnahmen – vor allem für Jugendliche und die Generation 50+.“   

Lehre oder doch lieber schulische Ausbildung? Welche Berufe haben Zukunft? Wo warten lukrative Einkommen? Das sind Fragen, die nicht nur Jugendliche und deren Eltern beschäftigen und oft existenzielle Auswirkungen haben. Antworten darauf fehlen meist. Darum hat die AK Vorarlberg die Wiener Synthesis-Forschung damit beauftragt zu erforschen, mit welcher beruflichen Orientierung erwerbsinteressierte Personen in Vorarlberg in den nächsten Jahren gute Beschäftigungschancen erwarten können.   

Gute Rahmenbedingungen im Ländle
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden demnach im Ländle besser sein als im übrigen Österreich. Studienautor Mag. Wolfgang Alteneder von Synthesis prognostiziert für den Zeitraum bis 2017 einen Wachstumsvorsprung und zusätzliche 12.400 Arbeitsplätze. Aber auch das Arbeitskräfteangebot wird wachsen: „Aufgrund steigender Erwerbsbeteiligung von Frauen und Arbeitsmigration wird das Arbeitskräfteangebot um 11.900 Personen zunehmen“, erklärt Mag. Alteneder. „Im Prognosezeitraum wird daher eine leichte Abnahme der Arbeitslosigkeit gelingen.“ Allerdings ist die Entwicklung zweigeteilt: Einer Periode schwachen Wachstums (2013-2014) folgt eine Phase beschleunigter wirtschaftlicher Expansion (2015-2017).

Die größte betriebliche Nachfrage nach Arbeitskräften ist bis zum Jahr 2017 im Dienstleistungssektor zu erwarten. So wird es im Handel zusätzliche 1.700 Stellen geben, bei einem erheblichen Teil wird es sich um Teilzeitarbeit handeln. Rund drei Viertel des Beschäftigungswachstums im Handel wird auf Frauen entfallen. Aber auch in der Sachgütererzeugung warten 3.600 neue Arbeitsplätze – vor allem in den Bereichen Metall, Maschinenbau und in der Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln. Grundsätzlich gilt: Das Beschäftigungswachstum von Frauen konzentriert sich auf den Dienstleistungssektor, für Männer ergeben sich hingegen stärkere Chancen im Produktionsbereich.   

Zentrale Rolle der Warenerzeugung

Die Arbeitsplatzlandschaft im Ländle ist geprägt von der zentralen Position der warenerzeugenden Produktionsbereiche (9 Prozent über Österreichschnitt). Trotz der ausgeprägten Konjunktursensibilität, die aus dem extrem hohen Exportanteil resultiert, ist es diesen Betrieben gelungen, den Wachstumseinbruch rund um das Jahr 2009 gut zu überstehen. Die hohe Wettbewerbsfähigkeit, die neben innovativen Produkten auch von der Qualifikation und Motivation der Beschäftigten getragen wird, bringt mittelfristig gute Wachstumschancen. Ausgehend von 1,3 Prozent realem Wachstum im Jahr 2013 wird die Zunahme des Bruttoregionalprodukts (BRP) im Jahr 2017 mit 2,9 Prozent einen vorläufigen Höhepunkt erreichen.   

Belegschaften altern
Während es im Prognosezeitraum immer mehr Menschen im erwerbsfähigen Alter gibt, verschiebt sich die Altersstruktur deutlich. Während die Zahlen von Personen im Berufseinstiegsalter (-1.300) und Haupterwerbsalter (-2.400) abnehmen, wird es bis 2017 zu einem deutlichen Anstieg jener Personen kommen, die sich im letzten Drittel ihrer Erwerbslaufbahn befinden. „Für uns ergibt sich daraus, dass es künftig für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer spezielle Rahmenbedingungen geben muss“, sagt dazu AK-Präsident Hubert Hämmerle. Alters- und alternsgerechte Arbeitsplätze gehören da ebenso dazu wie eine neue Behaltekultur oder ein Bonus-Malus-System für die Generation 50+. „Aber auch Jugendliche sowie Berufseinsteiger brauchen unsere Unterstützung. Wir können es uns einfach nicht leisten, dass wir junge Menschen aufgrund von mangelnder Bildung verlieren“, ist sich Hämmerle sicher.   

Diese Einschätzung teilt auch AMS-Landesgeschäftsführer Anton Strini: „Bereits seit Jahren ist am Vorarlberger Arbeitsmarkt feststellbar, dass die Nachfrage nach gering qualifizierten Arbeitskräften zurück geht, während der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften zunimmt. Das macht ungelernte Arbeitskräfte wesentlich anfälliger für Arbeitslosigkeit.“ Ungelernte Kräfte sind in Vorarlberg demnach zweieinhalb Mal häufiger arbeitslos als Lehrabsolventen und mehr als fünf Mal häufiger als Absolventen von berufsbildenden Schulen oder noch weiterführenden Ausbildungen. Dementsprechend verfüge fast die Hälfte der aktuell arbeitslos vorgemerkten Personen über keine die Pflichtschule hinausgehende Berufs- oder Schulbildung. Als Konsequenz gelte es, ausreichende und bedarfsgerechte Qualifizierungsmaßnahmen zu setzen.    

122 Berufe mit Zukunft
Mittelfristig lassen sich in Vorarlberg 122 Berufe mit guten Beschäftigungschancen identifizieren. Für diese Zukunftsberufe gilt:

  • Eine gute Ausbildung lohnt sich. Beschäftigungschancen, Entlohnung und (geringes) Arbeitslosigkeitsrisiko stehen in einem klaren Zusammenhang mit der Ausbildung.
  • Bei einer guten Ausbildung muss es sich nicht in jedem Fall um ein abgeschlossenes Hochschulstudium handeln. Bemerkenswert ist, dass am Vorarlberger Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren gute Chancen für eine „Karriere mit Lehre“ bestehen. Von den insgesamt 122 Zukunftsberufen setzen 82 davon eine Fachausbildung in Form einer Lehre oder einer berufsbildenden mittleren Schule voraus.
  • Technische Berufe und Dienstleistungsberufe im Bereich der Informationstechnologie (IT) nehmen neben kaufmännischen Berufen eine zentrale Stellung ein.


Installationstechniker bis Physiotherapeut
Berufe mit guten Zukunftsaussichten sind:

  • Lehre/berufsbildende mittlere Schule
  • Installationstechniker/in, Maschinenbautechniker/in (hier ist das Bildungsspektrum besonders breit), Koch/Köchin; insgesamt 82 Berufe, Zusatzqualifikationen machen meist einen Unterschied, vor allem beim Gehalt.
  • Matura+
  • Maschinenbaukonstrukteur/in, Software-Entwickler/in, Physiotherapeut/in; insgesamt 48 Berufe, viele davon im technischen Bereich
  • Pflichtschule
  • Heimhelfer/in, Sicherheitsorgan, Stubenmädchen/-bursch; insgesamt nur 9 Berufe, hoher Teilzeitanteil, überdurchschnittliches Arbeitslosigkeitsrisiko.

Schlussfolgerungen
Prinzipiell gilt für den Vorarlberger Arbeitsmarkt ein klarer Zusammenhang zwischen Bildung und Arbeitsmarktchancen. „Mit einem guten Bildungsabschluss verbessern sich die Beschäftigungs- und Einkommenschancen und verringert sich das Arbeitslosigkeitsrisiko“, erklärt Präsident Hämmerle. Neben dem Niveau der Ausbildung hat aber auch die Wahl des Berufsfeldes erhebliche Auswirkungen auf Beschäftigung und Entlohnung. „Mich freut, dass Karriere mit Lehre im Ländle nach wie vor kein bloßes Schlagwort ist, sondern dass sich mit einer dualen Ausbildung vielmehr sehr gute Beschäftigungschancen ergeben“, so der AK-Präsident weiter. Daraus würden sich aber auch Maßnahmen und Forderungen ergeben. Einerseits für das Schulsystem (Stichwort unteres Pisafünftel), aber auch für das duale Ausbildungssystem bzw. für die berufsbegleitende Weiterbildung. Defizite im Bereich des sinnerfassenden Lesens und grundlegende Kenntnisse in Mathematik, die im Rahmen der Schulausbildung nicht vermittelt werden konnten, gelte es im Rahmen der Lehrausbildung oder berufsbegleitend auszugleichen. Eine Fachausbildung im zweiten Bildungsweg nachzuholen, wird an Bedeutung gewinnen. Für ältere Beschäftigte gilt es, durch berufsbegleitende Weiterbildung fit für den Arbeitsmarkt zu bleiben.    

Lehrlingskündigung abschaffen
Bei der dualen Ausbildung liegt für AK-Präsident Hubert Hämmerle ebenfalls noch einiges im Argen. Jahrelang wurde an diesem so erfolgreichen System herumgemurkst. Es wurde der einzige Qualitätsnachweis, nämlich die Prüfung zur Hälfte der Lehrzeit abgeschafft dafür die Lehrlingskündigung auf Druck der Wirtschaft eingeführt. „Diese hat sich als absoluter Rohrkrepierer erwiesen“, ist Hämmerle überzeugt. 5.000 zusätzliche Lehrstellen werde es durch die Möglichkeit der Lehrlingskündigung geben, versprachen die Befürworter. „Das war für uns von Anfang an nicht mehr als heiße Luft. Leider haben wir Recht behalten, das Lehrstellenangebot ist seither rückläufig“, zieht der AK-Präsident ein enttäuschendes Resümee. Allein der Blum-Bonus habe seinerzeit für eine spürbare Lehrstellenzunahme geführt. Deshalb sei es ein Gebot der Stunde, diese Förderung wieder zu aktivieren.

Jugendliche und ältere Arbeitnehmer/innen – für diese beiden Gruppen setzt auch das AMS wichtige Initiativen. So fördern die Produktionsschulen in Bregenz und Bludenz Jugendliche, die schulisch noch aufholen müssen, um in eine Lehrausbildung überhaupt einsteigen zu können. Im ÜAZ Vorarlberg können junge Menschen, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, eine Berufsausbildung bis zum Lehrabschluss absolvieren und im Rahmen des Projekts „Chance“ können Arbeitslose im Erwachsenenalter eine betriebliche Lehrausbildung nachholen. AMS-Chef Strini: „Zudem ist eine auf die Zielgruppe junger Menschen mit Migrationshintergrund zugeschnittene Arbeitsstiftung gerade in Vorbereitung. Sie wird allein 2014 weiteren 100 Teilnehmer/innen den Einstieg in eine Berufsausbildung ermöglichen.“

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