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Harald Sommerer, CEO Zumtobel AG

Bericht zum 3. Quartal (Mai 2011 - Januar 2012) der Zumtobel AG: Große Unterschiede in der Entwicklung der Segmente und Regionen

06. März 2012 | 08:20 Autor: Zumtobel Vorarlberg

Dornbirn (A) In den ersten drei Quartalen erreichte die Zumtobel Gruppe ein Umsatzwachstum von 6,1% auf 964,2 Mio EUR (Vorjahr: 908,9 Mio EUR). Dabei stellt sich die Entwicklung betrachtet nach Segmenten und Regionen sehr unterschiedlich dar: Im professionellen Leuchtengeschäft (Lighting Segment) wurde in den ersten neun Monaten ein solides Wachstum von 10,3% auf 712,4 Mio EUR (VJ: 646,0 Mio EUR) erreicht.

Die Marke Zumtobel konnte in Europa wie geplant wachsen - unterstützt von den Wachstumstreibern Energieeffizienz und LED. Auch bei Thorn beginnen die Maßnahmen zur Verbesserung von Profitabilität und Wachstumsdynamik zu greifen. Das Leuchtengeschäft in Asien und USA blieb hingegen hinter den Erwartungen zurück. Hier müssen sowohl auf Produkt- als auch auf Prozessebene erhebliche Anstrengungen unternommen werden, um das geplante Wachstum sicherzustellen.

Enttäuschend entwickelte sich das Geschäft mit Betriebs- und Steuergeräten sowie LED-Komponenten (Components Segment). In diesem Bereich sank der Umsatz im Berichtszeitraum um 3,2% auf 310,9 Mio EUR (VJ: 321,2 Mio EUR), wobei der Umsatzrückgang im dritten Quartal mit minus 13,2% sehr deutlich ausgefallen ist. Neben dem herausfordernden Marktumfeld haben auch momentane Schwächen in der Performance und im Produktportfolio zu der rückläufigen Entwicklung beigetragen.
 
„In Summe sind wir mit der Entwicklung der ersten neun Monate nicht zufrieden. Wir sehen zwar, dass unsere Wachstumsstrategie vor allem im europäischen Leuchtengeschäft greift, aber insbesondere im Komponentengeschäft haben wir derzeit große Herausforderungen. Hier werden wir unsere Ressourcen nun klar auf unser Kerngeschäft in der Allgemeinbeleuchtung fokussieren und in Kürze unser Portfolio sowohl bei konventionellen, elektronischen Betriebsgeräten als auch bei LED-Produkten ausbauen. Ein besonderes Augenmerk werden wir auf eine Verbesserung des Entwicklungsprozesses, ein strafferes Bestandsmanagement und eine kontrollierte Anpassung unserer Aktivitäten mit magnetischen Vorschaltgeräten richten,“ erläutert Zumtobel Group CEO Harald Sommerer, der nach dem Ausscheiden der Tridonic Geschäftsführung im Jänner interimistisch auch die Geschäfte im Komponentenbereichs führt.
 
Technologiewandel ist Wachstumstreiber, belastet aber temporär das Ergebnis
Weiterhin sehr erfreulich ist die Entwicklung des LED-Geschäfts. Vor allem bei LED-Leuchten fiel das Wachstum sogar deutlich dynamischer aus als erwartet. So stieg der Umsatz mit LED-Produkten im Berichtszeitraum um 92,3% auf 129,4 Mio EUR (VJ: 67,3 Mio). Der LED-Anteil am Konzernumsatz stieg damit von 7,4% im Vorjahr auf nun 13,4%. Der Technologiewandel hin zu innovativen LED-Produkten ist ein wichtiger Wachstumsimpuls, belastet derzeit aber auch die Profitabilität der Zumtobel Gruppe. Zur Absicherung ihrer ausgezeichneten Wettbewerbsposition investiert die Gruppe derzeit parallel sowohl in konventionelle Lichttechnik und als auch in innovative LED-Technologie. Dies führt übergangsweise zu deutlich höheren Aufwendungen in den Bereichen Forschung & Entwicklung, Marketing und Vertrieb. Die kürzeren Innovationszyklen der digitalen Beleuchtung erfordern zudem ein wesentlich engeres Bestandsmanagement und ein restriktiveres Vorgehen bei der Aktivierung von Entwicklungskosten. In diesem Zusammenhang wurden im dritten Quartal Bestände im Wert von 4,6 Mio EUR sowie aktivierte Entwicklungskosten in Höhe von 1,3 Mio EUR abgeschrieben.
 
Ergebnis deutlich unter Vorjahr
Das bereinigte operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) lag nach den ersten drei Quartalen 2011/12 mit 34,1 Mio EUR deutlich unter dem Vorjahreszeitraum (64,4 Mio EUR). Dieser Rückgang ist zum Großteil auf die geplanten Wachstumsinvestitionen, v.a. den Aufbau der Vertriebsstrukturen, sowie die Belastungen aus dem Technologiewandel zurückzuführen. Darüber hinaus hat das schwache Komponentengeschäft die Ertragskraft zusätzlich belastet. Für die ersten neun Monate ergibt sich eine bereinigte EBIT-Marge von 3,5% (VJ: 7,1%). Das Periodenergebnis ging um 64,1% auf 18,9 Mio EUR zurück (VJ: 52,6 Mio EUR). Daraus ergibt sich ein Ergebnis je Aktie von 0,44 EUR (VJ: 1,23 EUR).
 
Leuchtengeschäft bleibt Wachstumsmotor in europäischen Kernmärkten
Betrachtet nach Regionen lässt sich im Berichtszeitraum eine sehr unterschiedliche Entwicklung feststellen. Während das Komponentengeschäft in nahezu allen Regionen zum Teil sehr deutliche Umsatzrückgänge verzeichnete, konnte das Leuchtengeschäft die solide positive Umsatzentwicklung in Europa fortsetzen. Regionaler Wachstumsmotor auf Gruppenebene war in den ersten drei Quartalen die D/A/CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) mit einem Umsatzplus von 14,0%. Sehr erfreulich zeigte sich auch die Entwicklung in Ost- und Nordeuropa mit Zuwächsen von 10,4% bzw. 10,2%.

Enttäuschende Umsatzentwicklung außerhalb Europas
In den Regionen außerhalb von Europa war die Umsatzentwicklung zum Großteil enttäuschend. In Asien stieg der Umsatz im Berichtszeitraum zwar um 4,0% auf 84,9 Mio EUR an (Vorjahr 81,7 Mio EUR), aber im dritten Quartal war der Umsatz um 3,9% rückläufig. Die USA verbuchten in den ersten drei Quartalen 2011/12 einen Umsatzrückgang von 3,1%. In beiden Regionen werden von einem neuen Management sowohl auf Produkt- als auch auf Prozessebene erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Basis für zukünftiges Wachstum zu stärken.

Free Cashflow unter Vorjahr – weiterhin solide Bilanzstruktur
Im Vergleich zum Vorjahresstichtag erhöhte sich der Working Capital Bestand auf 265,7 Mio EUR (VJ: 227,8 Mio EUR). Ursachen dafür liegen im gestiegenen Geschäftsvolumen im Lighting Segment sowie in hohen Vorratsbeständen im Components Segment, die angesichts der schwachen Nachfrageentwicklung nur langsam abgebaut werden. Im Rahmen der Wachstumsstrategie fand zudem eine höhere Investitionstätigkeit statt (38,6 Mio EUR vs. 33,0 Mio EUR im VJ). Beide Faktoren führten zu einem negativen Free Cashflow, der sich mit minus 19,6 Mio EUR gegenüber dem zweiten Quartal zwar leicht verbesserte, aber unter dem Vorjahreswert von minus 11,7 Mio EUR lag. Mit einer Eigenkapitalquote von 37,9% (Bilanzstichtag: 37,1%) und einem Verschuldungsgrad von 46,7% (Bilanzstichtag: 37,3%) weist die Zumtobel Gruppe weiterhin eine solide Bilanzstruktur auf.

Leichter Rückgang beim Mitarbeiterstand
Zum Quartalsstichtag (31. Jänner 2012) beschäftigte die Zumtobel Gruppe 7.588 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Vollzeitkräfte inklusive Leiharbeiter, ohne Lehrlinge). Dies entspricht im Vergleich zum Bilanzstichtag am 30. April 2011 (7.814) einem leichten Rückgang von 2,9%. Im Rahmen der Wachstumsstrategie fand vor allem im Vertrieb ein deutlicher Personalaufbau statt. So wurden in den letzten zwölf Monaten rund 150 zusätzliche Vertriebsmitarbeiter eingestellt. Dem steht ein Personalabbau vor allem im Komponentengeschäft entgegen. Aufgrund der Schließung eines Magnetikwerks in Malaysien wurden zum Jahresende 44 Mitarbeiter abgebaut. Um der aktuellen Auslastungssituation Rechnung zu tragen, wurden im Komponentengeschäft im dritten Quartal weitere rund 200 Mitarbeiter abgebaut - vor allem in Asien und bei den Leiharbeitskräften.

Ausblick: Große Herausforderungen in einem unsicheren Marktumfeld
Der Vorstand der Zumtobel Gruppe sieht für das Leuchtengeschäft weiterhin eine gute Geschäftsaktivität. So wird der eingeschlagene Weg bei Zumtobel und Thorn in Europa in den kommenden Monaten konsequent fortgesetzt. Aufgrund der strukturellen Herausforderungen geht der Vorstand für die Regionen Asien und USA davon aus, dass die gesetzten Wachstumsziele im laufenden Geschäftsjahr noch nicht erreicht werden. Im Komponentengeschäft ist die Visibilität nach wie vor sehr gering und die Herausforderungen groß, eine rasche Rückkehr auf den Wachstumspfad ist daher nicht zu erwarten. Für das Gesamtjahr 2011/12 erwartet der Vorstand für die Zumtobel Gruppe gegenüber dem Vorjahr, vor allem belastet durch das Komponentengeschäft, nur ein leichtes Umsatzwachstum und einen signifikanten Rückgang der EBIT-Marge. Trotz der verschlechterten Geschäftsaussichten hält es der Vorstand strategisch weiterhin für richtig, in den Technologiewandel und die globale Wachstumsstrategie zu investieren.

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