Transparenz, Fakten und datenbasierte Entscheidungen

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  • 18.01.2022 13:13
Transparenz, Fakten und datenbasierte Entscheidungen
Patricia Neumann

Patricia Neumann, VP, EMEA Data, AI, and Automation Sales Leader und Vorsitzende des Aufsichtsrats der IBM Österreich spricht im LEADERSHIP-Interview über ihre neue Rolle als Vorsitzende des Aufsichtsrats und über die IBM-Unternehmenskultur.

Sie haben vor kurzem von der Ge- schäftsführung in den Aufsichtsrat von IBM Österreich gewechselt. Dieser Perspektivenwechsel impliziert eine Veränderung im Führungsverhalten. Wie erging es Ihnen damit bisher?
Als Geschäftsführerin der IBM Öster- reich waren meine Aufgaben sehr auf das operative Geschäft und die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens gerichtet. In meiner neuen Rolle als Vor- sitzende des Aufsichtsrats konzentriere ich mich auf die Prüfung und nehme eine Kontrollfunktion ein. Mir ist es auch ein Anliegen, meine internationalen Erfah- rungen mit einzubringen und dem Ös- terreich Team Ideen und Anregungen mitzugeben. Ich bin sehr stolz, diese verantwortungsvolle und wichtige Auf- gabe innezuhaben und es ermöglicht mir, mit dem Land, den Kunden und dem österreichischen IBM Team verbunden zu bleiben.

Konnte IBM von der Pandemie profitieren?
Die Pandemie hat uns sehr deutlich gezeigt, wie unverzichtbar soziale Kon- takte sind und gleichzeitig wie wichtig die Digitalisierung von Prozessen und Geschäftsmodellen. Unternehmen, die schon vor der Pandemie in die Digita- lisierung investiert hatten, konnten so schneller und flexibler auf die sich än- dernden Marktbedingungen reagieren. Ich sehe nun mehr Bereitschaft die Di- gitalisierung voranzutreiben und davon profitiert in erster Linie der Standort Österreich und damit wir alle.

Wie hoch ist aus Ihrer Sicht der Digitalisierungsgrad der österreichischen Wirtschaft?

Die Digitalisierung wurde durch die Corona-Pandemie nochmals beschleunigt. Laut der aktuellen Erhebung der Sta- tistik Austria zum IKT-Einsatz in Unter- nehmen 2021 werden Cloud Services von 40% der Unternehmen eingesetzt, wo- bei der Anteil großer Unternehmen (250 und mehr Beschäftigte) mit 75% deutlich höher war. Auch im Bereich Internet of Things werden smarte Geräte mittler- weile in 51% der Unternehmen angewen- det. Technologien, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basieren, werden aktuell von 9% aller Unternehmen genutzt. Hier gibt es also noch Nachholbedarf.

Führungsethik ist ein spezieller Teil- aspekt der Führungsforschung, der die moralische Frage reflektiert, inwieweit man das Verhalten anderer beeinflus- sen bzw. instrumentalisieren darf. Wie ist Ihr Standpunkt dazu?
Ich persönlich halte nichts von Beeinflus- sung oder Instrumentalisierung. Mein Zugang zu Leadership ist: Transparenz, Fakten und datenbasierte Entscheidun- gen. Jede Mitarbeiterin und jeder Mit- arbeiter muss verstehen, welche Ziele wir als Unternehmen verfolgen, warum Entscheidungen getroffen werden und wie jede Einzelne und jeder Einzelne in seiner Funktion einen Beitrag dazu leisten kann. Damit einher geht auch eine offene Fehler- und Feedback-Kul- tur im Unternehmen. Denn durch ein offenes und wertschätzendes Arbeits- umfeld werden das Klima, die Motiva- tion, die Produktivität und letztlich die Geschäftsergebnisse positiv beeinflusst.

Die Unternehmenskultur ist lebendiger Teil eines jeden Unternehmens. Wie wird diese in Ihrer Unternehmens- struktur gelebt?
Unternehmen, die auf Dauer bestehen sollen, stehen auf einem Fundament von Grundwerten. Im Jahr 2003 kamen weltweit IBMer bei einem ValuesJam zusammen - einer 72-stündigen Dis- kussion im Intranet - um das Wesen des Unternehmens zu definieren. Das Ergebnis? Eine Reihe von Grundwer- ten, die von IBMern für IBMer definiert wurden und die alles, was wir tun, und jede Entscheidung, die wir im Namen des Unternehmens treffen, bestimmen.

Diese Werte sind:
·    Einsatz für den Erfolg jedes Kunden
·    Innovationen, die für unser Unternehmen und für die Welt wichtig sind
·    Vertrauen und persönliche Verantwortung in allen Beziehungen

Diversity & Inclusion ist tief in unserer Unternehmenskultur verwurzelt und wird weltweit innerhalb der IBM gelebt. Unser Ziel ist es, ein Arbeitsumfeld von Offenheit, Akzeptanz und Respekt zu schaffen, in dem niemand diskriminiert, ausgegrenzt oder benachteiligt wird. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbei- ter ist einzigartig und wird dabei unter- stützt, die persönlichen Fähigkeiten zu entwickeln und optimal einzusetzen - unabhängig von ethnischer oder kul- tureller Herkunft, Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung und Identität, Religion oder Weltanschauung, Behin- derung oder Krankheit.
 
„Durch ein offenes und wertschätzendes Arbeitsumfeld werden das Klima, die Moti- vation, die Produktivi- tät und letztlich die Geschäftsergebnisse positiv beeinflusst ."
PATRICIA NEUMANN

Wie würden Sie Ihren persönlichen Führungsstil beschreiben?
Als kollaborativ – gemeinsam mit mei- nem Team an der Erreichung der gesetz- ten Ziele arbeiten. Dafür braucht es aber eine klare Definition und Kommunikation der Ziele, die wir gemeinsam erreichen wollen. Die Prioritäten werden vom an- gestrebten Ergebnis bestimmt. Es reicht nicht nur das ‚Was‘, ‚Wer‘ und ‚Bis wann‘ zu bestimmen, sondern das angestrebte Ergebnis muss unsere Ziele unterstützen und bestimmt das Handeln. Umgesetzt wird das dann sehr selbstbestimmt in den Teams.

Aufgrund Ihrer verantwortungsvollen Position sind Ihre zeitlichen Kapazitäten vermutlich sehr begrenzt. Wie gelingt es Ihnen, eine ausgewogene Work-Life-Balance zu leben?
Ernährung, Schlaf und Sport sind für meine persönliche Resilienz sehr wichtig. In der Reihenfolge gelingt mir der Aus- gleich sehr gut. Obwohl der Sport leider etwas zu kurz kommt. Vor allem meine Familie gibt mir viel Energie und schafft es auch mich regelmäßig von beruflichen Gedanken abzulenken.

Welche Prioritäten haben Sie sich für 2022 gesetzt?
Mehr Zeit für das persönliche Gespräch und gemeinsame Unternehmungen. Das gilt sowohl im beruflichen Umfeld als auch im privaten Bereich. Was ich mir auch vorgenommen habe ist, meinen persönlichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Zur Person

Patricia Neumann arbeitet seit 1995 für IBM in verschiedenen Funktionen und Führungspositionen. Sie begann ihre Karriere als Spezialist im Bereich Global Financing und wechselte anschließend in den Vertrieb. Nach der Übernahme der Leitung von IBM Global Financing Österreich begann ihre internationale Karriere. Es folgten Stationen in London, Mailand und Deutschland als Vertriebsdirektorin für den Bereich Financial Services, Vice President für den Geschäftskundenvertrieb und Vice President für das IBM Systems Hardware Sales-Team. Im Oktober 2017 kehrte Patricia Neumann nach Österreich zurück und übernahm die Position der Geschäftsführerin der IBM Österreich. Im Oktober 2021 wechselte Neumann in das Europäische Leadership Team als Vice President für Data, AI and Automation Sales Europa und übernahm die Rolle der Vorsitzenden des Aufsichtsrats der IBM Österreich.

Zum Unternehmen

IBM ist eines der weltweit führenden Unternehmen insbesondere für branchenspezifische Lösungen und Dienstleistungen im IT-Bereich sowie Software und Hardware. 2019 beschäftigte IBM weltweit mehr als 300.000 Mitarbeiter.


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