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NR Jakob Auer, Präsident des Österreichischen Bauernbundes und Präsident des Aufsichtsrates der Raiffeisenlandesbank OÖ, Jungbauern-Landesobmann Leo Gmeiner, Landjugend Basistrainerin Daniela Kerbl, DI Josef Plank, Generalsekretär der Landwirtschaftskammer Österreich, Reinhard Schwendtbauer, Vorstandsdirektor der Raiffeisenlandesbank OÖ (© RLB OÖ/Strobl)

Raiffeisen AgrarForum mit dem Generalsekretär der Landwirtschaftskammer Josef Plank

03. Oktober 2016 | 08:12 Autor: Raiffeisenlandesbank Oberösterreich Österreich, Oberösterreich

Linz (A) Die österreichische Landwirtschaft mit ihren bäuerlichen Familienbetrieben ist eine tragende Säule der österreichischen Wirtschaft und des ländlichen Raumes. Gleichzeitig unterliegt der Agrar-Sektor einem starken Wandel. So werden in den kommenden Jahren rund ein Viertel der Betriebe geschlossen oder nicht weitergeführt werden. „Vor unsere Organisationen sind jetzt massiv gefordert, ein starker Partner der Bäuerinnen und Bauern zu sein“, betonte der Generalsekretär der Landwirtschaftskammer Österreich, DI Josef Plank, beim traditionellen Raiffeisen AgrarForum in der Raiffeisenlandesbank OÖ. Er diskutierte vor rund 400 Bäuerinnen und Bauern mit NR Jakob Auer, Präsident des Österreichischen Bauernbundes und Präsident des Aufsichtsrates der Raiffeisenlandesbank OÖ, Landjugend Basistrainerin Daniela Kerbl und Jungbauern-Landesobmann Leo Gmeiner über die Zukunft der österreichischen Landwirtschaft.

Plank: Erhalten durch Verändern
Um bäuerliche Organisationen zu stärken, muss ein Strukturwandel eigeleitet und zielgerichtet umgesetzt werden. Plank kann hier besonders auf die Landwirtschaftskammer Oberösterreich verweisen, die durch einen ambitionierten Reformprozess die Dienststellen bis 2019 von derzeit 15 auf 8 reduzieren will. Aber auch der vor- und nachgelagerte Bereich sei betroffen.  „Um einen fairen Anteil für die Bauern in der Wertschöpfungskette abzusichern, müssen Bauern und Vermarkter stärker zusammenrücken. Durch die Konzentration im Lebensmittelhandel und die internationalen Märkte ist der Druck deutlich gestiegen“, erklärte Plank.

Ohne Bioenergie keine Energiewende
Für Plank, der auch Präsident des Österreichischen Biomasseverbandes ist, sind die Themen Energie und nachwachsende Rohstoffe von besonderer Bedeutung. „Klimawandel und Energiewende sind Chancen und Herausforderungen für die Bäuerinnen und Bauern. Ohne Bioenergie keine Energiewende und kein Klimaschutz“, betonte Plank. Um die Chancen zu nutzen, brauche es aber stabile Rahmenbedingungen. „Durch den Preisverfall am Energiemarkt werden Investitionen in erneuerbare Energien nach hinten verschoben und der dringend notwendige Umbau unseres Energiesystems verlangsamt. Die fallenden Energiepreise bieten aber auch die einmalige Chance, endlich eine Steuer auf CO2-Emissionen aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas einzuführen, mit dieser der Umbau des Energiesystems finanziert werden könnte“, ist Plank überzeugt.

Auer: Handlungsbedarf bei agrarischen Organisationen
„Gerade das heurige Jahr hat wieder gezeigt, dass unsere Landwirtschaft vor extremen Herausforderungen steht“, sprach Präsident Jakob Auer nicht nur die aufgrund Wetterextreme in Mitleidenschaft gezogene Landwirtschaft, sondern auch die aktuellen Daten aus dem Grünen Bericht an. Dieser zeigt auf, dass die Landwirtschaft nun seit fünf Jahren hintereinander Einkommensverluste hinnehmen muss. „Damit stehen nicht nur die Bäuerinnen und Bauern vor enormen Herausforderungen. Nein, auch wir müssen uns fragen, wie wir aus dieser schwierigen Situation wieder herausfinden“, sieht Auer ebenso bei den agrarischen Organisationen Handlungsbedarf. Hier müsse laut Auer auch das Verständnis für die Bäuerinnen und Bauern nachgeschärft werden. “Oft frage ich mich bei Verbänden, Einrichtungen, Genossenschaften und agrarischen Firmen, ob den Beschäftigten dort wirklich bewusst ist, wer ihre Arbeitsplätze sichert. Manchmal habe ich das Gefühl – eher nicht“, zeigte Auer auf.

Vermarktung verstärkt unterstützen
Auch RLB OÖ-Aufsichtsratspräsident und Bauernbundpräsident Jakob Auer zeigte sich davon überzeugt, dass künftig ein Schwerpunkt auf die Vermarktung gelegt werden müsse. „Wir sind alle Profis in der Produktion. Wir müssen aber verstärkt lernen, dass wir zuerst die Vermarktung und dann die Produktion fördern müssen. Es muss klar sein, wohin und zu welchen Bedingungen wir unsere Produkte verkaufen können“, erklärte der Bauernbundpräsident. Die Politik könne dabei lediglich gute und langfristig überlegte Rahmenbedingungen vorgeben. So wie die von Auer geforderte und seit Anfang des Jahres arbeitende, Exportservicestelle, mit der exportierende Firmen koordiniert unterstützt werden. Auch der geforderte Sozialversicherungs-Rabatt, der der heuer notleidenden Landwirtschaft 167 Millionen bringen soll,  kann für viele Betriebe überlebensnotwendig sein.

„Wenn das große Deutschland 100 Millionen Soforthilfe für seine Bäuerinnen und Bauern in Aussicht stellt, klatschen alle. Bei uns wird oft sogar von Agrarmedien jede ausgehandelte Unterstützung für unsere Bauern kritisiert.“, kritisiert Auer.

Kerbl und Gmeiner: Ausbildung forcieren, Bürokratie abbauen
Gerade die jungen Diskutanten in der Runde, Landjugend-Basistrainerin Daniela Kerbl und Jungbauern-Landesobmann Leo Gmeiner, zeigten auf, dass die überbordende Bürokratie eines der größten Probleme für die jungen Bäuerinnen und Bauern darstellt. „Man hat das Gefühl, dass hier eine eigene Prüfungsindustrie aufgebaut wird. Da muss endlich gegengearbeitet werden“, betonte Gmeiner. Für die jungen Hofübernehmer will er die Diversifizierung voranzutreiben, Hemmnisse abbauen und junge Landwirte vor den Vorhang holen, die es mit innovativen Ideen geschafft haben, den Massenmärkten mit qualitativ hochwertigen und regionalen Produkten positiv entgegen zu gehen. Die Ideen müssen dabei von der Basis kommen. Sowohl die Landjugend als auch die Jungbauernschaft forcieren dies durch ihre Organisationen. So wie auch die Ausbildung ihrer Mitglieder. „Wir haben ein intensives Schulungsprogramm, das sowohl Fachbereiche als auch ganz intensiv die Persönlichkeitsbildung beinhaltet. Denn eines werden wir in Zukunft sicher brauchen – gute Ausbildung, um die Chancen, die uns geboten werden, nutzen zu können“, erklärte Kerbl.

Schwendtbauer: 86 Prozent Marktanteil
„Wir bekennen uns auch gerade jetzt – in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – klar zu unseren agrarischen Wurzeln“, betonte Reinhard Schwendtbauer, Vorstandsdirektor der Raiffeisenlandesbank OÖ, in seiner Eröffnungsrede. 86 Prozent der Landwirte in Oberösterreich arbeiten mit Raiffeisen OÖ zusammen. „Dieser hohe Marktanteil ist ein Beweis für das Vertrauen der heimischen Bäuerinnen und Bauern in die Beratungskompetenz der Raiffeisen-Agrarbetreuer. Auch durch unsere Beteiligungsstruktur unterstützen wir unsere Bäuerinnen und Bauern “, so Schwendtbauer.

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